Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1922)
- Date
- 1922-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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KJV. und Jugendbewegung 169 ist, das KJV. als die Institution hinzustellen, von der das Heil für die jüdische Jugendbewegung und den Zionismus überhaupt auszugehen hat. In einem Augenblick, wo so schwere Erschütterungen und Kämpfe um den Bestand des Kartells stattfinden, wird ja so wie so kaum jemand die Ueberheblichkeit und den Mut besitzen, die im Innern gebundenen Kräfte für Außenarbeit zu lösen. Aber auch in besseren Zeiten sollte niemals wieder und deshalb sind diese Zeilen geschrieben — eine solche Verkennung der Situation Platz greifen, wie sie in der Vergangenheit vorhanden gewesen ist, und wie sie jetzt aus Berliners Artikel spricht. Alle Angaben Berliners über die „jüdischen" Jugendorganisationen Deutschlands sind — er nehme mir das nicht übel — Phantasmen. Wir pflegen über jede Ansammlung von Juden, überhaupt über jede sich jüdisch nennende Sache so viel Lärm zu machen, daß wir die mahnenden und skeptischen (Stimmen in unserem Innern nicht hören können. Wir sehnen uns so sehr nach Judentum, daß wir leicht geneigt sind, die wahren mit den falschen Propheten zu verwechseln. Würden wir die Kritik, die wir an die Dinge des menschlichen Lebens sonst zu legen gewöhnt sind, auch an allem, das sich „jüdisch" nennt, üben, so wären wir glücklicher, weil wir sehender wären. Wie ist es wirklich? Die zionistische Idee ist zum „Scheidewasser" im westlichen Judentum geworden. Was sich jetzt anbahnt, die von einem jämmerlichen Renegaten hervorgerufene Bewegung deutschnationaler Juden — unser höhnischer Kampf kann nur gegen die Person des Führers und dessen schändlich denunziatorische Gesinnung, nicht gegen die Sache an sich gerichtet sein! — ist nur natürliche Reaktion auf das Jüdischnationale. Nicht jeder Assimilant ist ein „Mauschel44. Weite Kreise des westlichen Judentums sind ihrem Volke so sehr entfremdet und dabei doch aufrechte Menschen, daß sie weder drangvolles Erleben noch geistige Ueberlegung zum Judentum zurückführen kann. Und wir sind doch nicht etwa so unjüdisch und verrannt, daß wir Pogrome und Antisemitismus herbeiwünschen, um diese Gruppen uns zu gewinnen! Die Theorie von der Konstanz der jüdisohen Eigenart ist falsch und ungeschichtlich, wenn sie überspannt wird; denn zu allen Zeiten sind uns große Teile unseres Volkes entrissen worden. Begreift man diese Situation, so erscheinen plötzlich viele „jüdische" Institutionen und Organisationen, die wir bisher unter „Eingänge" gebucht haben, auf der. Seite der „Abgänge44. Wir geben es auf, uns den Wann von einer jüdischen Jugendbewegung vorzumachen, die neben der zionistischen Jugend die „Kameraden" etc. umfaßt. Wir schreiben nicht derart lächerliche Worte wie, „daß die Kameraden in einigen Jahren der stärkste Faktor in der nationaljüdischen Jugendbewegung in Deutschland sein werden*4 etc. Wie steht es nun in Wahrheit mit den von Berliner skizzierten Jugendverbänden? — Die Kameraden sind bekanntlich eine Gründung des K.C. Mit Unrecht haben wir seinerzeit Glossen darüber gemacht, daß sich da ein jüdischer Wanderbund auftut, der revera mit Judentum nicht das geringste zu tun haben will (außer einer von uns eben mißverstandenen Abwehrstellung). Bei der augenblicklichen Lage des deutschen Judentums sind sie schnell groß geworden und haben die „Konkurrenz44 bald überholt. Sie sind es, die den besten Nährboden für eine deutschgerichtete Propaganda darstellen werden. Mögen auch einige Führer den Weg zu uns gefunden haben, sie werden schnellstens eliminiert werden. Sie werden mcIi selbst eliminieren, weil ein Zionist in der Luit nicht leben kann. An der Tatsache, daß die Kameraden mit schwellenden Segeln unter schwarzweiß-roter oder schwarz-rot-goldener Flagge schneller noch als Zentral- *'erein und K.C. nach Deutschland steuern, werden diese Wenigen nichts und gar nichts ändern. Im Gegenteil! Das Scheidewasser Zionismus wird hier nur noch drastischer wirken. Der „ J u n g j ü d i s c h e Wanderbund" ist problematischer. Hcrvorgeruten durch die koinpromißreiche zionistische Gegenwart, die ihre an dieser Stelle nicht zu erörternden Gründe hat, ist und bleibt er ein