Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1922)
- Date
- 1922-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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167 empfinde ich als gradlinige und konsequente Fortentwicklung der zionistischen Ideologie, dies ist die „Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland'1 die bei uns allzulang eine theoretische Forderung geblieben Ist. Die Wenigen im Kartell, die diese Entwicklung vom rein nationalen (im europäischen Sinn) zum traditionellen Judentum durchgemacht haben, und die die -Rückkehr zur Tradition als die vollkommen organische Konsequenz ihrer zionistischen Einstellung empfinden, werden mit mir das Gefühl haben, daß in dieser Entwicklung der entscheidende Fortschritt Hegt, der die gegenwärtige Krise im deutschen Zionismus zu überwinden geeignet ist. Wir. glauben, daß wir etwas Wesentliches zu geben haben, und wir halten es deshalb für wichtig, eine Auseinandersetzung mit unserer Anschauung herbeizuführen. Die geistige Entwicklung im Zionismus ist an dem Punkt angelangt, an dem die Auseinandersetzung mit dem traditionellen Judentum, nicht in der erstarrten Form der Trennungsorthodoxen, sondern in der Form der neu erlebten Tradition nicht länger aufgeschoben werden darf. Diese Tradition ist der Urfels, auf den wir unseren Nationalismus nunmehr gründen müssen, wenn er Bestand haben soll. Die traditionell orientierten KJV.er haben deshalb die Pflicht, jede Gelegenheit zu nützen, besonders auch den bevorstehenden Kartelltag, um diese Auseinandersetzung in Fluß zu bringen. Nicht, um mit Austrittsdrohungen irgendwelche Beschlüsse zu erzwingen, wie es der M-israchi auf dem 12. Kongreß tun mußte, sondern um in geistigem Kampf zu werben, und die im Sinne der Tradition Indifferenten, die Unsentimentalen. die Rationalisten, zur Nachprüfung ihrer Auffassung zu zwingen, und so zur Ueberwindung des toten Punktes beizutragen, auf dem die geistige Entwicklung im Kartell sowohl wie im Zionismus überhaupt angelangt ist. Bericht über den nationaljüdischen Jugendtag in Karlsruhe, 30. IV. -1. V. Von Josef Bauer und Erich Gelber (VJSt. Haarodah Karlsruhe, i.a.B.). Schon seit langem beobachten wir in unserer Bewegung Bestrebungen, die auf eine Näherbringung bzw. Zusammenfassung der verschiedenen -rö^H*'- Jugendbewegungen hinzielen. Nach dem Muster der deutschen Jugendveribände hat man sichan manchen Orten zu Jugendringen zusammengeschlossen, das heißt, man kommt alle 4—6 Wochen ejnmai zusammen, läßt sich ein Referat halten, diskutiert hin und her, und die Zusammenarbeit ist für die nächsten sechs Wochen wieder erledigt. Wenn es gut geht, arbeitet man vielleicht noch bei Sammlungen wie für das jüdische jVjbeitsamt oder für die Ukrainekinder gemeinsam miteinander; aber damit"erschöpft sich auch die gemeinsame Tätigkeit, geschweige denn das Zusammenleben. In Berlin trägt man sich nun mit dem Gedanken eines allgemein-jüdischen Jugendtages, der nun wohl auf einmal wie ein Wunder diei-ZuscHnmengehörigkeit bringen soll. Wir dagegen sehen diesem Pia^ sehr pessimistisch* z-u. Denn noch ist die notwendige Grundlage für diese Zusammenarbeit nicht vorhanden. Es fehlt die Einigkeit — man muß das unverblümt zugeben -~ im eigenen nationaljüdischen Lager. Man braucht* wirklich nicht viel Worte über diese Angelegenheit zu machen. Zu bekannt sind doch die äußeren „scheinbaren44 Gegensätze zwischen KIV.'und Blairweiß. Wre^£e'rm£ ist doch heute die Zahl der Blau weißen, die ins K'artell eintreten. Zwar erscheint in regelmäßigen Abstünden von einem halben Jahr im JSt. sowie /m den Blauweißblättern ein Ukas. in dem sich die Führerschaft des Blau- 'weiß und des Kartellpräsidiums ewige Freundschaft geloben. Man ver-