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Der jüdische Student · 1922-05-01 · Heft 5 (Mai 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 5 (Mai 1922)
Date
1922-05-01
Page
[Seite] (sequence 37)
Language
German
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KJV. -und traditionelles Judentum 166 Die Ziele imd Aufgaben der zionistischen Bewegung sind derart gewaltig, daß noch Jahrzehnte vergehen werden, ehe ihr heutiges P*ogramm verwirklicht sein wird. Darum kann, für unsere Zeitverhältnis berechnet, der Zionismus ebenso wie auch der Sozialismus niemals seiner, : chwung verlieren, darum wird er immer die Lebendigkeit und die Frische einer Bewegung bewahren. In diesem Sinne haben die Kritiker Holdheims recht, wenn sie einen praktischen Unterschied zwischen ..den glückhaften Zeiten der Vorkriegszeit" und dem „leicht übersehbaren Alltag" von heute nicht sehen. Auf diese Situation paßt das Wort von B'ömo : „Heringe und Sardellen — das ist der ganze Unterschied von sonst und jetzt, gesalzen sind sie immer noch und werden es immer bleiben. . Nein, es zeugt von einer sentimentalen Lächerlichkeit und Ofoerrläch'Kchkeit, wenn man dem KJV. die Daseinsberechtigung und Lebensfähigkeit abzusprechen sucht. Das KJV. kann, will und muß leben und es lacht nur über derlei fatalistische Klügeleien und Theorien. Das soll nicht bedeuten, daß alles bei uns glänzend und jegliche Kritik überflüssig sei. Ideale Zustände gibt es nirgends — und nie wird der Kampf in unseren Reihen um eine wirksamere Gestaltung unseres Lebens aufhören. Selbstzufriedenheit und Selbstgenügsamkeit sind keine Merkmale einer gesunden Gemeinschaft. Aber wir müssen uns dagegen wehren und empören, wenn man uns in eine pessimistische Stimmung und zum Selbstmord treiben will. Der Lebens¬ und Arbeitswille des Kartells ist unzerstörbar. Ein Erneuerungswille kann nur ein Ausfluß eines kraftvollen Lebenswillens sein. Untergangsspuk und Erneuerungswille aber sind unvereinbar! Die Medizin, welche Holdheim uns in seinem letzten Artikel verordnet hat, müssen wir schon deswegen ablehnen. Meine bescheidene, aber reizvolle Aufgabe war nur, den Spuk zu bannen, aber keine Neuerungen zu prüfen oder vorzuschlagen. Hüten wir uns überhaupt vor unseren vielen Aerzten und rufen wir ihnen mit Grillparzer zu: „Seid ihr so eifrig beim Studieren, So muß meine Hoffnung auf Genesung scheitern, Ihr wollt' nicht einen Kranken kurieren, Ihr wollt' nur leere Wissenschaft erweitern!*' / Ich bin der Ueberzeugung, daß das Kartell nicht vor einer Krise steht, sondern vor einem großen Aufschwung. Der kommende Kartelltag wird die Richtigkeit dieser Ansicht beweisen. Er wird eine Kundgebung des Lebenswillens und der Lebenskraft des KJV. sein; er wird zeigen, daß es für uns nur ein Vorwärts gibt und daß die Zukunft uns gehört. Der Spuk wird zerfließen wie der Nebel eines Sommermorgens und dann kommt sonniger „leicht übersehbarer Alltag44. . Die Zukunft ist schwer zu deuten und das Schicksal ist nicht leicht zu fassen. Vielleicht erkennt H o 1 d h e i m, daß für ihn weder die Rolle der Kassandra noch des Jeremias paßt ... KJ.V und traditionelles Judentum. Von Jakob Hakohen- Katzen stein. Treysa (Ruder-VJSt. "Ivria44, Berlin, A.H.). Die Diskussion, die dem H o 1 d h e i m sehen Artikel gefolgt ist, stellt in ihrer Gesamtheit einen kräftigen und erfreulichen Beweis für die Lebendigkeit des Kartells dar, einen Beweis, der wohl von Hold he im selbst nicht zuletzt als erfreulich empfunden wird. Daß das Kartell die kritischen Jahre und Zustände der Nachkriegszeit ohne dauernde Schädigung überwunden hat, ist zweifellos ein Verdienst derjenigen, die auch in den kritischen Zeiten nicht am Kartell verzweifelt sind. Dem deutschen

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