Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1922)
- Date
- 1922-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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"364 Untergangsspuk oder Erneuenmgswelle denen hat der Zionismus auch (!) heute etwas zu sagen. Ihnen iiat der Zionismus heute noch mehr zu sagen als früher und nur an diese hat er sich immer gewandt! Glücklicherweise bilden sie heute das Uebergewicht in der zionistischen Jugend. Der reine Schwärmer ist im Schwinden und die Hddheimiade ist der Schwanengesang für diesen absterbenden Typus im KW. — Holdheim erklärt kategorisch: „Es ist falsch, daß der neuen Jugend Zionismus in gleichem Maße ..Utopie" bedeutet, der „Geist des Protestes" ebenso» stark rumort wie in der Generation vor 'St 'Remo." H old hei m braucht nicht so siegesbewußt „es ist falsch . . ." auszurufen, — wir geben ihm <33ss gern zu. Uns ist Zionismus allerdings und Gott sei Dank keine Utopie kein Traum, keine Fatamorgana. Wäre es die, wäre der Zionismus nur ean Phantom, eine Unmöglichkeit, eine Verrücktheit — dann würden wir keinen Augenblick zögern, uns von ihm loszureißen und uns einer Beweguaßg anzuschließen, deren Ziele, wenn auch fern, aber doch irdisch» real wd möglich sind: Uns ist der Zionismus, ich wiederhole es, allerdings und Oott sei Dank eine „praktische Angelegenheit und wir sind freudig erschüttert", daß er nun leuchtende Wirklichkeit zu werden beginnt. Wir sind üueute von der zionistischen Idee noch mehr begeistert, noch mehr ergriffe^ noch mehr befriedigt als früher. Die Tatsache, daß der Zionismus in „die Federungen (?) der Verwirklichung" getreten ist, macht ihn jammern — uns macht sie jauchzen! Niemals hat der Zionismus einen so großen Schwung und eine derartig werbende Kraft gehabt wie jetzt. Die Begeisterungsfähigkeit des Zionismus gerade heute (und nicht allein bei der Elterngeneration, was ich keineswegs bedauere), sondern vor allem bei der Jugendgeneration ist die beste Bürgsdiaft für die Lebensfähigkeit des KJV. Früher konnte der junge Assimlationslude dem Problem des Zionismus bequem ausweichen, indem er ihn einfach als eine „Utopie" bezeichnete. Heute kann er das nicht» heute äst der Zionisms eine höchst praktische und aktuelle Frage geworden, mit dar er sich nolens volens auseinandersetzen muß. Und es ist kein Zweifei wohin ihn diese Auseinandersetzung, sofern sie ernst und ehrlich ist, führt. Das KJV. hat heute, wenn man noch dazu die Wirksamkeit des Antisemitismus berücksichtigt, die besten Möglichkeiten. Ida bedaure es, daß die Kritiker Holdheims die Dinge nicht in dieser Weise klargestellt haben. Sie habeu nur die Voraussetzungen geleugnet anstatt die Lächerlichkeit des ganzen Systems aufzudecken. So sagt Paul Hirsch, gegen den das vorhin erwähnte .,es ist falsch . . lioldleims sich richtet: „Mir ist Zionismus immer noch „Utopie", noch nicht eingetretene Wirklichkeit, Utopie, die für uns nie zur Topie werden wird," und Aron Isserün: „Der Zionismus ist salonfähig geworden? Wo denm, bei englischen Ministern, aber doch nicht etwa bei der jüdischen Bourgeoisie Deutschlands"; auch Karger hat „davon, d-aß der Zionismus salonfäMg geworden ist, wenig gemerkt" usw. Wollt ihr wirklich die Lächerlichkeit zum Prinzip erheben? Ob der Zionismus „salonfähig" geworden! ist oder nicht, kann uns doch wirklich vollkommen egal sein und man macht sich in gleicher Weise zum Schauten; das eine oder andere zu leugnuen, anstatt die Narretei zu entkleiden. Fs ist möglich und mir sogar wahrscheinlich, daß die Antikritiker etwas anderes gemeint haben. Sie wollten gewiß nicht sagen, daß der Zionismus wirklich eine Utopie, d. h. eine Unmöglichkeit sei. Sie wollten vielmehr, wie ich annehme, nur erklären, daß mit der Balfourdeklaration und Sl Remo der Zionismus noch nicht verwirklicht sei. Und das ist vollkommen richtig. Ich bin außerordentlich über die politische Naivität eines Mannes wie Hold heim erstaunt, der sich offenbar noch in der Sieger stimm uns befindet, die leider bei uns sehr lange angedauert hat. Die beiden apolitischen Taten bedeuten zweifellos einen ungeheuren Sieg des Zionismus, aber nur in dem Sinne, daß sie erst die primitivsten Voraussetzungen für eine positive, aufbauende und erfolgreiche Arbeit in Palästina schaffen. Der Zionismus hat damit nicht aufgehört, er hat erst angefangen1.