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Der jüdische Student · 1922-05-01 · Heft 5 (Mai 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 5 (Mai 1922)
Date
1922-05-01
Page
[Seite] (sequence 34)
Language
German
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162 sowohl ein Minimalprogramm als auch ein Maximalprogramm nötig. Dieses enthält äiöchstiorderungen. die das Endziel in seiner Reinheit und Klarheit ansehen, Zenes Mindestforderungen, welche für'den Augenblick gelten und als condicr© sine qua non anzusehen sind. Die Minimalforderungen stellen einen Kompromiß mit der Wirklichkeit dar, und auch die radikalste und lebensfähigste Scwegung kann dieses Kompromiß nicht vermeiden. Aber sie können begritilkh nur im Hinblick auf die Maximalforderungen bestehen. Das MaximaDprcgramm ist der ruhende Pol, das starre Bezugssystem, nach dem sich jedcts Minimalprogramm orientieren muß. Ohne Maximal Programm kein Minimalprogramm, ohne Maximalforderungen keine Mimmalforderungen! Diese dementarste Logik scheinen H o 1 d h e i m und die übrigen Minimalisten nicht begriffen zu haben. Sie regen sich darüber auf (und schrecken daher acht einmal vor dem Wort Verlogenheit zurück), daß das KJV. Maximalior&mingen aufgestellt hat, die ja, wie man ganz genau weiß (das erhöht na die Schandtat) nicht jeder tax erfüllen vermag, und sie verlangen nur Miiiirnalforderungeti, die dann aber aufs Peinlichste erfüllt werden müssen. Sie übersehen,, daß es ja gerade das Wesen des Maximaiprogramms ist, daß es im Augenblick von seiner Verwirklichung weit, weit entfernt ist, daß ein Minimalprogramm für sich allein nicht bestehen kann. Darum wirkt das ganze Geschrei: Fort mit den Maximaliorderui&en — hoch die Minimaiforderungen, noch mehr als lächerlich. Es ist rein unsinnig! Und von Menschen, die nicht einmal logisch denken können, müssen wir uns „Verlogenheit" vorwerfen lassen! Ich möchte Hold beim folgende trefflichen und klaren Sätze, die er allerdings vor drei Ja&ren (lang, lang ist's her) niedergeschrieben hat, in Erinnerimg rufen: „Wohl können wir Maximalforderungen erheben und sollen es sogar, . . . Die Forderung der Uebersiedlung nach Palästina oder der restlosen Erlernung der hebräischen Sprache wird niemals in unseren Reihen verstummen. In Forderungen dieser Art liegt das höchste Ziel, das wir erreichen können und das unsere Besten, wie wir hoffen, auch erreichen werden. Es liegt in ihnen die aufwärtsstrebende Tendenz unserer Gemeinschaft, *ier keiner sich entziehen kann/' Dem habe ich nichts weiter hinzuzulegen! Oderr leugnet Holdheim — und etwas anderes vermag ich nicht aus seinem Artikel zu entnehmen, der Widerspruch bleibt eben bestehen — daß jede andere Jugendorganisation, welche nicht ausgesprochene Chaluzorganisation ist, heute keine zionistische Daseinsberechtigung habe — wenigstens nidit in den Augen einer „idealgerichteten Jugend4'? Es st natürlich unmöglich, die Frage der Chaluziuth an irgend einer Artikelserie zusammenzupressen und so nebenbei zu behandeln. Diese Frage feidarf einer eingehenden und ausführlichen Betrachtung, die hier in unserem Zusammenhang nicht möglich ist. Hier müssen schon einige stichwortartige Bemerkungen genügen. Es muß zunächst klar ausgesprochen werden, daß man mit Phrasen wie „Ganzheit44, „Unbedingtheit4\ „100%ig gelebte Edee41 nicht einen Schritt weiterkommt. Die praktische Durchführung #er Chaluzforderung hat gewisse ökonomische und psychologische Voraussetzungen, die ich m. E. in Deutschland nicht für gegeben erachte. Es wird darum in Deutschland, soweit man die Dinge überblicken kann, nie eine Chaluzbewegung in nennenswertem Umfange geben. Es lassen sich allerdings die psychologischen Voraussetzungen schaffen (was allein nicht ausreichend sein kann), indem man dem Chaluzzionismus seine eigene, heldenhaie Note gibt. Das bedeutet nicht, ihn mit einem künstlichen Gloriensdiein umgeben und den Heldcnkitzel anstacheln, sondern die ganze Größe uid das Heldentum, das er verkörpert, anerkennen. Aber das darf nicha zum lauten Marktgeschrei werden: die Achtung und Verehrung muß von einer stillen und stummen Vornehmheit getragen sein. Beginnt man jedodi in einer sentimentalen Romantik sich gegenseitig im Radikalismus zu überhkten und sich den Zionismus abzusprechen, beginnt man Theorie und Ideologie zu machen, Chaluz- und Galuthzionismus säuberlich voneinander su scheiden und nach Prozenten zu bemessen — dann muß dies

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