Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1922)
- Date
- 1922-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Untergangsspuk oder Erncucrjn>»swilie 161 „Vcrseliwörergesinnung" ist schön und notwendig:, wenn es um die Sache geht. Sie wirkt lächerlich, wenn sie sich zum Selbstzweck* kinstituiert. Jene schwankenden Gestalten-, die sich der Schwärmerei ergaben haben, gibt es nicht nur bei uns, mau findet sie haufenweise in der garaen jüdischen Jugendbewegung1) (in den niehtjüdischen ist es vielleicht iueh schlimmer, mit Ausnahme der proletarischen). Sie begeistern sich Ißiite um Zionismus, schwärmen morgen für den Kommunismus und laufen fttermorgen Tumore nach. Urnen ist die Phrase zum Lebensjlemen.t und die Überspanntheit zur Natürlichkeit geworden. Nur das Pathos, — ja „das Pathos, liebe Freunde, das Pathos, zu dem nur ein wirklich und inneiieh junger Mensch, eine Jugend, ein jugendliches Volk fähig ist" (Mms Oppenheim, Hirschberg). Und wer diesem „jugendlichen Volte44, das pathetisch mit der Stange in den Nebel hineinfährt, einige Treiflöhkeiten zuraunt, dein wird „Unbedirrgtheit"\ „Ganzheit". „Jugendlichkdt" abgesprochen. Ms wird in der Tat Zeit daß wir der Jugendbewegung die unangenehme Wahrheit sagen, daß sie keine kraftvolle Bewegung nuhr ist, sondern nur noch eine sentimentale Schwärmergruppe. Der Zionismus darf kein Tummelplatz für jene unsicheren und schwankenden Schönseelen sein. Sie. die am meisten vom Kampf sprechen, shd am wenigsten kampifähig. Diese Sentimentalen, die sich - hemmun-gibs jeder neuen Duselei ergeben, sind für eine Bewegung, welche innerißh geschlossene und festgefügte Menschen braucht, vollkommen unbrauchte. Ich kann nicht gauben,. daß Hold heim zu jenen Schwarmgeistai gehört, die sich andauernd in ihrem Wortradikalismus überschlagen. Äier fast jede Zeile seines Artikels zeigt, daß er sich von ihnen hat einfanasji lassen und vor ihnen kapituliert hat. Es ist durchaus die Art der Ue'teschwenglichen. die Dinge maßlos übertrieben und verzerrt zu sehen. Oid Hold heim hat sich diese Art so zu eigen gemacht, daß er jedes obj&- tive Maß verloren und sich eigene Maßstäbe konstruiert hat. Es einspricht auch durchaus ihrem Geiste, wenn Holdheim erklärt: „Bis Recht der Persönlichkeit steht über dem Zionismus". Zur Verschwörssspielcrei gehört wohl auch ein krasser Individualismus. Es ist auf ..ile Spitze getriebener Persönlichkeitskult der Jugendbewegung, der uns htor begegnet. Es ist bemerkenswert, daß der Meister' bereits seinen Schüitr gefunden hat. Franz Mayer (Heidelberg) hat mit seinem ArttM „Neugestaltung des Kartells" den Vogel abgeschossen. Die „anarchische Gruppuibildun«*" bedeutet weiter nichts als eine Auflösung der Verbindung in ..Vereine der Egoisten" (Stirner). Des KJV. ist aber kein Experimentierfeld anarchistischer Launen. Dies überanarchistischen Tendenzen kann sich nur eine zerfressene und zerisÜlene Verbindung leisten. Eine gesunde Korporation wird einen übertriebenen und überspannten Individualismus niemals in ihren Reihen dulden Es ist, meiner Ueberzergung nach, eine der wichtigsten Aufgaben der KJV., seine Menschen dazu zu erziehen, sich ins Ganze einzuordnen urd dem Ganzen zu dienen. Das Kartell muß sich mit Entschiedenheit wendei gegen „das immer erneute Auftauchen anarchistisch-sektiererischer Gruppenideologien" (Franz Mayer, Märzheft 1921. Nr. 46). Ich glaube, daß Holdheim nicht sehr erfreut sein wird über die Am, wie er Schule gemacht hat, und daß er"sich für diese anarchische Gefolgschaft bedanken wird. . . . Es ist selbstverständlich, daß eine gesunde und vorwärtsgerichtek Bewegung sich immer weitere Ziele steckt und immer höhere Anfordenmgeii an ihre Anhänger steht Inhalt der KJV. kann es jetzt mehr, mehr bloß seinaus Assimilanten Zionisten zu machen, sondern auch die zionistische Leistung seiner Menschen zu steigern. Es ist auch selbstverständlich mtf] natürlich, daß man sich die Ziele stets höher steckt, als man sie tatsächlich erreichen kann. Darum hat jede starke und vorwärtsstreoende Bewegung *) Man lese z. B. einmal den „Jerubaal" durch.