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Der jüdische Student · 1922-05-01 · Heft 5 (Mai 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 5 (Mai 1922)
Date
1922-05-01
Page
[Seite] (sequence 32)
Language
German
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Hu Umergangsspuk oder Enieuerungswille nidH dulden, wenn man uns den nahen Tod prophezeit und die Augurenwihrheit in fatalistischem Gewände einherschreitet. Der Untergangsspuk treibt sein Unwesen nicht allein in unserem Kreise: er ist, wie man weiß, ein modernes Unterhaltungsspiel. Die Kunst sdMimmer Prophezeiung ist offenbar ein Bedürfnis unserer Zeit, und Cassaidra lebt nicht nur im KJV. Dieser Spuk ist höchst ungefährlich, aber er wird unerträglich, wenn er sich als unvermeidliches Schicksal vorstellt iini die Zeitgenossen mit ernster Miene -am Narrenseile führt. Diese Schicksahweisheit verträgt man nur als Scherz. Indes scheint mir das KJV, keäa geeigneter Ort zum Narrenfang zu sein. Ms hat übrigens den Anschein, als ob die Spukerscheinung keine starke Wirkung auf das K.1V.-Gemüt ausgeübt hat. Das Gespenst des Unterganges hau nur Nvenige in Entzücken oder Schreikrämpfe versetzt. Auf die meistern, die noch etwas Witz und bon sens besitzen, wird der Anblick eher belustigend als beklemmend gewirkt haben.--- Wir müssen aber das Gespenst aus unseren Reihen bannen, wenn es unsere Arbeit stört. In seiner neuen Offenbarung erhebt der unbeliebte Zukunftsdeuter, nachdem er uns genügend seine Metaphysik „der Schicksalhaftigkeit dieses Lebens44 erläutert hat, am Schlüsse die Forderung nach — dnern neuen KJV. (,.0. wie anders wirkt dies Zeichen auf mich ein!"4) Allein vorher muß der Untergangsspuk zerstört werden, bevor irgendein Erneuerungswille zur Geltung kommen kann. Wer dennoch den Spuk aus seinem Gesichtskreis nicht loswerden kann und den Gespeusterglauben beibehält, gehört in ein anderes Haus. — Sollte das KJV. früher wirklich nur ein Winkel berufsmäßiger Schwärmer für „Utopien44 und „leuchtende Träume" geweisen sein? Das ist ix eine herrliche „Eidgenossenschaft44 und „Avantgarde einer neuen , Zeit*4,, die jetzt, da die „neue Zeit41 angebrochen ist, „ach wie schade" ausruft. „die alte Zeit war 'doch so schön!4' Spürt Holdheim nicht die ganzt Lächerlichkeit dieses berufsmäßigen Verschwörertums, das sich beklag! daß die Bedingungen für sein Florieren nicht mehr so glänzend seien? Der KJV.er „von früher44 spottet seiner selbst und weiß nicht einmal wie. JDer Zionismus hat es, klagt H o 1 d h e i m , zur ., Salonfähigkeit" gebrach". ..Dadurch müßte der Korporationsgedankc seinen sichersten Stützpunkt verlieren, denn in weit geringerem Maße als früher bietet die Korporation eine Stätte, wo sich die revolutionären Affekte frei und ungehemmt austoben können4'. Der Korporationsgedanke hat meiner Ansicht nach den sichersten Stützpunkt im Gemeinschaftswillen junger Menschen., Im übrigen täte lioldheim besser, hier nicht von „revolutionären Affekten44, sondern von revolutionären Defekten zu sprechen. Für diese bietet die Korporation allerdings „in weit geringerem Maße als früher" eine Stätte, wo sie sich frei und ungehemmt austoben können. Für diesen Rcvolutionarismus sonderlichster Art, der sich hier reproduziert, darf die Korporation überhaupt keine Stätte bieten. Dieser Menschentypus des revolutionarisüschen Amateurs hat bei uns keinen Platz! (Ich spreche nicht von einer Person, sondern von einem Typus.) Hanl d he im will uns wahrscheinlich sein psychologisches Verständnis des jugendlichen Gemütes zeigen, wenn er uns zuruft: „Man verkenne ja nicht, wie1 anfeuernd es auf modene Jugend wirkt, wenn die Familie entsetze über Fanatismus zetert und wie eine Idee ihr degradiert erscheint, die es soweit brachte, von -Menschen einer anderen Welt beachtet und ernst genommen zu werden. Diesem Satz braucht in der Tat nichts weiter liinzugefügt zu werden, als einige Ausrufungszeichen in Klammern. Es ist .ües die Psychologie des „ewigen Primaners44, es ist der Heroenspiegel des berufsmäßigen Verschwörers. Es ist das Lied vom „ewigen Klassenkampf der Jugend" gegen das Alte. Sie schwingen das Beil in Kriegshigeisicrung. aber sie lieben das Spiel, und nicht den Krieg; ihre Schwerner sind aus Holz und ihre Helme aus Pappe — allein das Gebrüll ist echt. . . . Wir hoffen indes, daß diese Jugend nicht mehr „modern" ist,

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