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Der jüdische Student · 1922-05-01 · Heft 5 (Mai 1922) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 5 (Mai 1922)
Date
1922-05-01
Page
[Seite] (sequence 30)
Language
German
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Untergangsspuk oder Erneuerungswille Diskussion entstehen —, aber wir streben danach. Es gibt nur eine Form- $ er Disziplin. Das ist die Form, unter der das Judentum jahrhundertelang sich — obgleich heimatlos—eu halten hat. Das ist die Form, unter der alle Bewegungen alter und neuer Zeit sich durchgesetzt haben; das muß der Kern unsereT Form sein. Die Erscheinung wird sich allein herausbilden, sobald die Disziplin durchgesetzt isi. Damm muß jede Gruppentheorie für die Jugendbewegung wertlos sein. wcül der Kern fehlt, die Disziplin, der Sinn für Disziplin. Wir sber müssen das den grundlegenden Unterschied zwischen Organisation uid Gemeinschaft nennen: Die Gemeinschaft braucht eine Form, die Organisation nicht. Was ist der Wert der Form? Se bildet eine Gesamtheit. Und die Gesamtheit ist das erzieherisch Wichtigste; denn nur durch eine Gesamtheit kann für eine Gesamtheit erzogen werden. Mancher wird hier einwerfen: Massensuggestion, und meinen, Massensuggestion sei kein Mittel, das unserer wert wäre. Wer sich die Umwelt aber ansieht, weiß, daß noch keine Bewegung ohne diese Massensuggestion zustande gekommen ist, daß sie sich auch beim besten Willen niefit vermeiden ließe. Wir wollen keinen Menschen dadurch gewannen, daö wir diszipliniert sind, aber jeder, den wir gewinnen wollen, kann von uns verlangen, daß wir Disziplin halten. Disziplin heißt Ordnung, u n ■& Disziplin heißt Stoßkraft. Zum Schluß noch eines. Die soziologische Seite der Persönlichkeitsfrage. Unser Ziel ist, die Vorläufer eines jüdischen Volkes zu sein, eines jungen, jüdischen Volkes, das nur dann Daseinsberechtigung hat« wenn es die AltersfEScheinungen der heutigen europäischen Welt nicht mit sich nimmt. Durum auch das Erfordernis eines scharfen Kampfes gegen die Stricke der Umwelt. Ein junges Volk erfordert geringe individuelle Differenzierungen, nicht komplizierte Charaktere. Je älter ein Volk wird, desto mehr wächst das Individuum aus ihm heraus. Und auch darum muß es unser Ziel sein, gegenüber der Gesamtheit den Einzelnen zurücktreten zu lassen. Charakterstärke hängt nicht von der Kompliziertheit ab und auch nicht von der Beschränkung des Ideenkreises. Der stärkste Charakter ist der, der skh um eines Ideabs willen am stärksten verleugnen kann. Unsere KJV.-Forderung muß heißen: Eine Masche des Netzes, aus dem das jüdische Volk wiedererstehen soll, und eini teste. Untargemgsspuk oder Grneuerungswille?*) Von .]mci u o 111 i e b - Berlin (VJSt. flasmonaea, Berlin, ajß.). ..Und willst des Lebens Unverstand Mit W elimut du genießen. So lehne dich an eine Wand, Und strample mit den Füßen!14 Ich liefern nicht ohne einen gewissen Widerwillen „meinen Beitrag zur Diskussion4', denn sie fängt nun an langweilig und ermüdend zu wirken. Es ist in soldi einem Augenblick weder ruhmvoll noch zweckmäßig, das Wort zu ergreifen, wenn das Publikum nur mit Mühe ein Gähnen unterdrückt und kiaim mit halbem Ohre hinhört. Aber sollen die Holdheimschen Betrachtungen nicht einer finsteren Gewitterwolke gleichen, die drohend, aber sicher, über das Kartell dahinstreicht und nur ein wenig die *) Von dem Artikel von Bbr Gottlieb können wegen Raummangels nur einige Bruchstücke veröffentlicht werden.

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