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Der jüdische Student · 1922-05-01 · Heft 5 (Mai 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 5 (Mai 1922)
Date
1922-05-01
Page
[Seite] (sequence 29)
Language
German
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Gemeinschaft und Persönlichkeit . 1^ man ihn in eine immer größere Anzahl von Menschen stelt, mit denen er sich eins fühlt, aber unmöglich durch Pflegen der Indivi&ialität, durch geistige Inzucht Das hieße, jemandem die Liebe zur Natir beibringen, indem man Hm in ein Zimmer schließt und ihm ein wissenschaftliches Werk über Botanik in die Hand drückt Ja, wenn wir alle Theodorticrzls wären, die aus sich selbst zum Zionismus kommen! . Aber wie ist es mit dem geistigen „Ich", das heute im KJV.von dem zionistischen „Ich" „vergewaltigt** oder gar von der Umwelt, «*-on den Bundesbrüdern, vergewaltigt sein soll? Die Anhänger der. Gruppentheorie sagen, in einem kleinen Kreis könne sich Zionismus und Peinlichkeit gemeinsam entwickeln, weil der Widerhall da wäre, im grolfcn KJV. aber wäre kein Echo für unser „Ich", ja durch zionistische Uehtrbürdung verkümmere derübrige Mensch. Nun, es muß zuerst untersucht werden, welche Dinge es sind, die hier als Gegensätze aufgestellt werden; handelt es sich um menschliche Bedürfnisse-, w ie Beruf, Verkehr miufer Außenwelt usw., die hier unterdrückt sein sollen? Ich glaube nicht, dal ein vernünftiger Verbindungsleiter je darauf hingearbeitet hat. Oder landelt es sich um etwas anderes? Und ich fürchte, daß der Kampf des altanein geistigen mit dem zionistischen „Ich" eine große Selbsttäuschung ist Iis handelt sich um den Kampf des Zionismus in unsmit der Kultur der Umwelt. Nur ein Tor kann leugnen, da&wir noch fest in deutscher Kultur verwurzelt sind, und daß dieser Kanni dauernd in uns tobt. Aber dieser Kampf muß gekämpft werden, er ist eines unserer Ziele. Nicht wir werden uns losreißen körnen von unserer Umgebung, auch die nächste Generation nicht, aber hgendeine spätere. (Man hat während des Ueberstürzens der Ereignisse in Krieg verlernt, temporär zu denken, sich eine Entwicklung vorzusteltaa, und vieles, was als Lüge erscheint, wird nur deshalb so aufgefaßt, weilüe zeitgemäße Ausdehnung nicht in Rechnung gezogen wird.) Wir sind Entwicklung, und aus uns werden vielleicht Halbheiten herauskommen, aber es geschieht um der Zukunft willen. Darum müssen wir d'ie Richtung teikhalten — auf Entwurzelung. Gerade liier werden „Gruppen" versagen. Dom den Kampf werden sie im allgemeinen nicht führen können, weil zum Kanpf ja ein bestimmtes Ziel vonnöten ist, losgelöst von der ei g-etn e n Persönlichkeit. Diesen Kampf kann nur eine große Gemeinschaft führen. Darum nruß hier denen etwas erwidert werden, die meinen ,das KJV. rier auch die .Verbindung könne keine Gemeinschaft sein. Was nennen wir Gemeinschaft? Es gibt eine philosophische Definition dafür: die ist praktisch wertlos für uns, weil sie mir das Idedlder Gemeinschaften ins Auge faßt, und alles, was nicht an das Ideal hennreicht, nicht dazu rechnet. Aber leider gibt es viele, die dieses Ideal für db. einzig mögliche Gemeinschaft halten und daraus, daß w ir diese Eordeiing nicht erfüllen können, herleiten, das KJV. wäre rr.ir?.ls ()tganisati.ix zu werten, also zur Erziehung unbrauchbar. Nun, es gibt viele Zwischenstufen zwischen jer/em Ideal und der Organisation. Es gP:t viele Mtjnmnisse, die außer uns liegen, die ein für alle .Mal als Mauer vor uns ausgebaut sind, und die uns zwingen, unser Ideal der (Gemeinschaft niedriger zu stellen. Und solche (.emeinschaiien müssen die Verbindungen sein «der werden. Gewiß, eine solche Gemeinschaft kann nicht heißen, absohtes Sichaussprechen über die persönlichsten Dinge in großem Kreise (abin wer hindert persönliche Ereundschaiten innerhalb dieser große;] Gemeinschaft?). Wieviele .Menschen, und gerade die Besten, würden sich in der .'.'Iruppe" vollkommen aussprechen? Und es ist. glaube ich, gut, wenn ür den Kreis, dem man angehört, doch noch ein Rest Ungekanntes in jeden steckt, der die „Distanz" garantiert, denn ohne die Distanz erscheint aich ein Gruppenleben unerträglich. Aber es gibt ein Einigendes auch für .de große Gemeinschaft. Neben dem Zionismus das KJ V.-Ziel. te r K a in p i, von dem ich vorhin sprach, der, wenn er wirklich innerstes Hei jedes einzelnen ist, vollauf als Grundlage für die Gemeinschaft anstächt, und die

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