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Der jüdische Student · 1922-05-01 · Heft 5 (Mai 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 5 (Mai 1922)
Date
1922-05-01
Page
[Seite] (sequence 28)
Language
German
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156 Genieiiischan und Persönlichkeit nur in eiiur wirklichen Gemeinschaft heranbilden, das KJV. aber sei keine Gemeinsclmt, auch die einzelnen Verbindungen nicht, Gemeinschaft könnte nur in garz kleinen Gruppen Gleichgesinnter Menschen entstehen, so daß das KJV. mid sogar die einzelnen Verbindungen nur Organisationen wären, resp. ein ^erlogeneT Zustand dabei herauskäme, wenn wir uns als Gemeinschaft bezeichnen. Von anderer Seite wurde der Vorwurf erhoben, daß der ehzelne Mensch bei uns nicht individuell behandelt würde, es wurde gesagt, daß von jedem KJV.er gleich viel verlangt würde, ohne Rücksicht darauf, ob er als Person es leisten könne. Aus der Erwägung, daß es allan auf die Gesinnung des einzelnen ankomme, wurde der Schluß gezogen, daß es „Vergewaltigung4* wäre, irgendeinem Menschen, der innere Hemmungm. verspürt, irgendetwas zu vollbringen, dies übelzunehmen, kurz, daß es ühirhaupt nicht angängig sei, irgendeine Forderung an sämtliche Bundesbrüler zu"richten. Ich gkube, daß dieser ganze hier angeschnittene Fragenkomplex wichtig; genug ist, im ihn einmal gesondert von allen sonst damit im Zusammenhang behandelten Fragen, wie Maximal- und Minimalforderungen u. ä. zu behandeln. Was sdl das Endresultat unserer Erziehung sein? Der vollwertige jüdische Maisch? Gewiß, aber was heißt das? Den jüdischen Menschen, der sein-e Individualität bis ins letzte gepflegt, auf alle Schwingungen seiner Seele fein acht gehabt hat, und der Zionist geworden ist, nicht um des Judentümer willen, sondern um einen Riß in seiner Persönlichkeit zu verkleben, und der dann den Zionismus auch stets so betrachtet, als einen Stein zur Vollendung seinen eigenen Ichs? Gder den, der den Zionismus auffaßt als ein Gebot des Volkes, dem alles, zuerst der persönliche Warn sc h. unterzuordnen ist? Ich bin der Meinung, daß es la eigentlich ksne Wahl geben kann. Wir sind für den Zionismus da, nicht der Zionismus fir uns. Das muß der oberste Grundsatz sein, von dem aus die Dinge zu mtrachien sind. Und dann' kommen wir zu folgendem: Der jüdische Marsch, das Ziel unserer Erziehung, muß in erster Linie wissen, daß er nur jjn Teil ist. Es zeigt nicht Charakterschwäche, wenn man sich irgendeiner Sache unterordnet, auch wenn sie nach unserer Meinung im Einzelfall nuht das Rechte tut. Es heißt nicht Lauheit des Charakters, wenn jemard das Entgegengesetzte von seiner Ansicht ausführt, weil irgendetwas, Gemeinschaft, Volk. Religion usw.. das er als übergeordnet anerkennt, is gebietet, im Gegenteil: Der ::;sclut Jen' sein wollende Mensch hat etwas kleines an sich gegenüber dem. der die Grenzen anerkennt und sich nach ihnen richtet. Der Charakter, den wir an uns und anderen großziehen wollen, ist der, der unbeschadet der persönlichen Veranlagung unü Meinung in den Forderungen, der Disziplin der Gesamtheit gleichsam dm Zcun lür sein ..Ich"4 siebt. (Unter Forderungen verstehe ich hier etwas anderes, als was in der bekannten Minimal- und Maximaldiskussion fälschlicherweise so bezeichnet worden ist. Forderungen sind Dinge, wie Bnrschenexarrvina, bestimmte Kenntnisse. Beschäftigung mit gewissen Dingm usw.) Forderungen müssen wir haben, sie müssen das sei n., w as uns eint, unser Programm. Denn eine Jugendorganisation (fleh sage mit Absicht nur Organisation, da ich über die Gemeinschaft eisi sprechen will) ohne Programm ist ein Körper ohne Herz. Das wird jeibr. der objektiv die Sache betrachtet, zugeben. Damit ist aber der Kernpunkt der Crupoentheorie (der Heidelberg-Freiburger) (Arbeitsgrupjimplane haben nichts hiermit zu tun) widerlegt. Denn für das ProgriMim ist hier der Glaube an die jüdische Jugend gesetzt. Der Glauben, daß Jede Gruppe von jüdischen jungen Männern, sich selbst überlassen, ohne Jedes Programm, als, ihre Individualität zu pflegen, von selbst aus der rein äuhetzschen Betrachtung des Zionismus, sich zu solchen Juden entwickelt, dir für fnf Volk alles tun (weil nämlich das jüdische Volk einem individuell h*chwenigen Juden individuelles Bedürfnis sein soll). Die Widersinnigküt liesi auf der Hand. Man kann jemanden zum Volkstum erziehe:. irJen n\dn ihn ein Sicck in Richtung auf das Volk führt, indem

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