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Der jüdische Student · 1922-05-01 · Heft 5 (Mai 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 5 (Mai 1922)
Date
1922-05-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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143 Finanznot der zionistischen Bewegung. Auch wenn man den Fortging der Keren Hajessod-Aktion noch so optimistisch beurteilt, wird man nicht glauben, daß wir mehr erreichen werden, als die Durchführung des in Karlsbad beschlossenen Etats. Das aber bedeutet, daß die Mittel dir Bewegung sich auf Emigration, Bodenankauf, Ansiedlung und Häuserfeau beschränken werden und daß diejenigen Berufe, die hiermit nicht im Zusammenhang stehen» nur von solchen Personen ausgeübt werden könntn. die selbst über beträchtliche Mittel verfügen. Das aber liegt in dem -xalutaschwachen Deutschland nur in ganz verschwindenden Ausnahmefällen vor. Um an einem Beispiel zu exemplifizieren: Der Kongreß hat lir die Schulen ein Budget beschlossen, das völlig unzureichend für die Erialtung ist. Mit Anspannung aller Kräfte des Jischuw und mit privaten Aktionen, wie sie etwa die Haifaer Realschub macht, wird man die bestehenden Schulen erhalten können. Die Entstehung neuer Schulen ist vöiBc ausgeschlossen. Lehrer werden also in Palästina nur in einem gaiz geringen Ausmaß verwendet werden können, nämlich da, wo für eiren ans dem Amte ausgeschiedenen Lehrer ein Ersatz gesucht wird, lieber Aerzte schreibt uns gerade jetzt Zlocisti wiederum, daß Palästina als völlig: saturiert anzusehen ist und daß die Sanitätsverwaltung einen ausgesprochenen antizicnistischen Charakter trägt. Für Juristen und Nationalökonomen kommt zunächst der Beruf des Beamte n in Frage. Hier abesr greift ein Gesichtspunkt ein, der uns vielleicht in diesem Zusammenhang: nicht geläufig ist: der Kampf der Opposition gegen die Beamten-HierarcMe bezieht sich nicht nur auf die europäischen Bureaus, sondern vor allem auch auf die palästinensischen. Deshalb wird man mit der Anstellung neuer Beamten noch vorsichtiger sein als vorher. Im übrigen zeigen uns unsere bisherigen Erfahrungen, daß gerade bei dem Berufe des Beamten hebräische und englische Kenntnisse in einem ganz besonders hohen Ausmaß nötig sind, und wir haben erst jetzt einen Bericht eines Berliner Bundesbruders, der über gute hebräische Kenntnisse verfügt, sich mit Palästinensern mühelos unterhalten konnte, und der jetzt seinen Posten n Palästina kaum ausfüllen kann, weil seine Sprachkenn tnisse nicht ausreichen. Etwas anders liegt es naturgemäß mit denjenigen Berufen, die am Aufbau direkten Anteil nehmen können, also mit den technischen Berufen. Palästina hat nur einen ganz geringen Bedarf an studierten Ingenieuren und Architekten, und es ist zur Deckung des Bedarfs fdieser Gesichtspunkt ist überhaupt bei allen Berufen zu berücksichtigen) keinesfalls auf Deutschland angewiesen. Was gebraucht wird, sind alle mittleren technischen Berufe, bzw. studierte Leute, die hsstande sind, ihre eigenen Werkmeister zu sein und selbst anfassen zu kteien. Das führt bereits in das Gebiet der handwerklichen Berufe hinein. Es ist oft darüber geklagt worden, daß die Parole der Berufsberatung bei uns und dem Blau-Weiß zu viel gewechselt hat. Aber das ist im großen und ganzen falsch. Es wäre möglich, daß wir im nächsten Jahre eine vermehrte Tätigkeit der Privatinitiative bemerken können und damit ein paar Kaufleute mehr nach Palästina gehen können. Die großen Grundsätze stehen seit Jahren fest und sie lehren uns, da& Landwirtschaft und Handwerk die einzigen 'Berufszweige sind, die in Palästina hauptsächlich gebraucht werden. Freilich sind die Aussichten des Landwirts in Palästina keineswegs gute. Solange man mit 800 Pfd. für die Ansiedlung einer Familie rechnen muß, wobei das Land nicht mitgerechnet ist, wird man annehmen müssen, daß die Ansiedlung nftrht schnell fortschreitet, da die große Mehrzahl der deutschen landwirtschaftlichen Chaluzim nicht aus eigenen Mitteln zur Niederlassung gelangt. Diese Frage hat aber auch ihre positiven Seiten. Gewiß ist das Leben in einer Kwuzah für die Dauer schwer zu ertragen, aber für die ersten 3ahre bedeutet es eine Möglichkeit landwirtschaftlicher Tätigkeit in Rilästina. Jede Verstärkung der finanziellen Kräfte unserer Bewegung uird eine verstärkte Ansiedlungstätigkeit zur Folge haben und damit die Wartezeit für die landwirtschaftlichen Arbeiter verkürzen. Schon jetzt werdin wahr-

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