Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1922)
- Date
- 1922-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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142 Bericht des Präsidiums an den Karl cütag schreiben -und in den Verbindungen, die ich besuchte, in persönlicher Rück- -sprache suchte ich gerade auf die Wichtigkeit der Erörterung dieser Fragen 'hinzuweisen; einzelne Verbindungen haben auch fortlaufende Abende diesen Dingen gewidmet. Gegen Ende Oktober war ich durch meinen Weggang von Berlin gezwungen, das Ressort niederzulegen. Leider fand sich bisher kein Nachfolger, so daß manche Arbeiten unerledigt geblieben sind, welche gerade jetzt hätten geleistet werden können. L. O 1 i t z k i. Berafsressort. Das Berufsressort ist ein Ergebnisdes Leipziger Kartelltags, wo nach dem Referat von Löwenstein über „Beruf und Erziehung4* und einer sehr eingehenden Diskussion am Schluß die Einsetzung des Berufsressorts beschlossen wurde. Absichtlich war davon abgesehen worden, Thesen zur Berufsfrage aufzustellen, und man hat es auch nicht für nötig gehalten, dem .Berufsressort irgendwelche Richtlinien für seine Tätigkeit zu geben. Die Tätigkeit des Berufsressorts hat sich in den Bahnen bewegt, die das Referat auf dem -Leipziger Kartelltag gezeigt hat. Nachdem innerhalb des Präsidiums die beruflichen Prägen eingehend besprochen wurden, wurde die Leitung des Ressorts Löwenstein und Perl übertragen, wobei Perl die technischen und kaufmännischen, Löwenstein die anderen Fächer sowie die allgemeine Berufsberatung übernahm. Bereits der Posener Delegiertentag 1911 hatte auf Antrag von Zlocist? den Beschluß gefaßt, daß es Pflicht jedes deutschen Zionisten sei, Palästina in sein Lebensprogramm aufzunehmen. Dieser Beschluß, in der Zeit der türkischen Herrschaft vor dem Kriege gefaßt, gab dem deutschen Zionisten seine nach Palästina tendierende Richtung. Zu praktischer Konsequenz konnte er freilich kaum führen. Die allgemeinen Verhältnisse bewirkten, daß nur ein ganz verschwindend kleiner Teil deutscher Zionisten, größtenteils B.J.C.er und K.Z.V.er, den Weg nach Palästina fanden. Man könnte also sagen, daß vor dem Kriege eine gewisse Unehrlichkeit in der Palästinaforderung lag; die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse hatten die Verwirklichung des Beschlusses fast unmöglich gemacht. — Die Berufsfrage ist dann während des Krieges im östlichen Judentum und durch Anregung von Walter Aloses im Blau-Weiß zu einem aktuellen Problem geworden. Der Drang zu produktivem, aufbauendem Mitwirken an der palästinensischen Arbeit und die Erkenntnis von der Aussichtslosigkeit und Bedeutungslosigkeit akademischer und kaufmännischer Berufe beim . Aufbau führte zur steigenden Betonung der Berufe des Landwirts und des Handwerkers. Es ist bekannt, daß diese Bewegung im Blau-Weiß wichtige Resultate gezeitigt hat und daß (anderslautende Berichte sind falsch) besonders die Tendenz zum Handwerk auch jetzt stark anhält. Langsam fanden diese Gedanken auch im KJV. Anklang. Es wurde immer deutlicher, daß die Arbeiten in Palästina aus allgemein bekannten Gründen sich nicht mit der Schnelligkeit und in dem Umfange durchführen ließen, wie man es eine Zeitlang geglaubt hatte. Damit war klar, daß Palästina nur eine selrr beschränkte Anzahl von Akademikern und Kaufieuten gebrauchen würde. Die Konsequenz aber, auch im KJV. auf die Berufe des Landwirts und des Handwerkers hinzuweisen, begegnete starken Widerständen, die allerdings erst in den.letzten Monaten, viel weniger auf dem vorigen Kartelltag, einen etwas deutlicheren Ausdruck gefunden haben. Es wird Sacht: des Kartelltages sein, zu einer Klärung der Frage beizutragen. Wir glauben, daß diese Klärung nur in der Richtung ausfallen kann, die dem Leipziger Kartelltag zugrunde lag. Wie sind die gegenwärtigen Aussichten für die einzelnen Berufe in Palästina? Die Frage kann und soll hier nur ganz summarisch behandelt werden. Wenn man die bestehende Einwanderungsbeschränkung, die ja fast ein Einwanderungsverbot ist, nicht berücksichtigt, oder sie als vorübergehend betrachtet, so sind andere hemmende Faktoren vorhanden, vor allem die valutarischen Verhältnisse und die damit zusammenhängende