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Der jüdische Student · 1922-05-01 · Heft 5 (Mai 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 5 (Mai 1922)
Date
1922-05-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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.140 Bericht des Präsidiums an den Kartelltag zeigt sich nach den Berichten der einzelnen Ressorts. Man hat nicht genügend und nicht in der richtigen Weise für die Gewinnung neuer Zionisten getan, man hat nicht genügend Hebräisch gelernt, der Gedanke der Dienstpflicht hat sich nur unvollkommen durchgesetzt, iür die damit in Zusammenhang siehende Forderimg interessierter Teilnahme am zionistisch-politischen Leben ist nur ganz wenig getan worden, auch eine Aktivierung abseits stehender Alter Herren für das Kartell oder für zionistische Arbeit ist nur in bescheidenem Umfange gelungen. Die mangelhaften Ergebnisse und ihre Ursachen werden bei den einzelneu Ressorts zu besprechen sein. Die Folgerung, die aus diesen mangelhaften Ergebnissen zu ziehen ist kann nur die sein, daß die Arbeit auf allen diesen Gebieten in verstärktem Maße durchgeführt werden muß. Die Folgerung ist nicht nur notwendig, weil diese Arbeitsziele sich aus dem Wesen des Kartells und der zionistischen Situation ergeben, sie ist auch nötig, weil die Berichte der Ressorts doch zeigen, daß die Arbeiten auf allen Gebieten zu gewissen Ergebnissen geführt haben und einer weiteren Entwicklung fähig sind. Ueberblickt man die Tätigkeit des Kartells im einzelnen, so ist auch mit einem kurzen Wort auf die Beziehungen zu Organisationen und Kreisen außerhalb des Kartells einzugehen. Es ist hier kaum viel Neues zu sagen. Mehrfach erhielten wir Anregungen zur Ausdehnung des Kartells in die jüdische Studentenschaft außerhalb Deutschlands. Wir versuchten, soweit als möglich, eine Förderung gleichgerichter Bestrebungen, konnten uns aber zu einer wirklichen Erweiterung des KJV. in diesem Sinne nicht entschließen. Denn wir sahen bisher noch an keiner Stelle die Garantien für ein wirkliches KJV.-Leben, für die Erfüllung der Forderungen des Kartells, die uns nur in der Möglichkeit einer unmittelbaren, ständigen Wechselwirkung, insbesondere auch des Austauschs von Menschen, zu liegen scheinen. Wir entschlossen uns sogar aus diesem Grunde, unsere Beziehung zur österreichischen Studentenschaft abzuschwächen, weil sich auch bei der Zugehörigkeit der Kadimah-Wien zum Kartell gezeigt hat. daß eine lediglich formelle Zugehörigkeit die Möglichkeit einer wirklichen Teilnahme am Leben des Kartells nicht enthält. Stärker geworden ist die Verbindung des Kartells mit dem zionistischen Weltstudentenverband dadurch, daß in der Leitung dieses Verbandes jetzt Bundesbrüder an führender Stelle beteiligt sind. Eine weitere Befestigung hat sicher das Verhältnis zur Z.V.f.D. als Ergebnis der Bemühung um die zionistische Außenarbeit der einzelnen Bundesbrüder und der Verbindungen erfahren. Nicht recht geklärt sind bisher unsere Beziehungen zum Blau-Weiß, Versuche um eine Klärung haben bisher zu einem Ergebnis nicht geführt. Diese Frage ist aber noch im Anfang ihrer Entwicklung, sie bedarf einer gründlichen Diskussion, mit der sich das Kartell im nächsten Jahr zu beschäftigen haben wird. Die Uebersicht, die den Gegenstand dieses Berichtes bildet, ergibt, daß das Kartell sich mitten in einer Entwicklung befindet. Für die Durchführung fast aller Gedanken, die als verbindlich anerkannt sind, muß noch viel geschehen. In einer Beziehung aber kann der Kartelltag vielleicht einen Abschluß bringen, der zugleich einen Anfang bedeutet. Das geistige Leben des Karteils kann in Zukunft nicht mehr ausschließlich bestimmt werden von der immer wiederholten Erörterung gewisser zionistischer Grundfragen, für die vitlmehr eine endgültige und klare Entscheidung gefunden werden muß. Diese Auseinandersetzung war notwendig und verdienstvoll, sie entsprach der allgemeinen zionistischen Situation, die wieder einmal diese Klärung verlangte. Aber die zionistische Situation, die unseren Richtungspunkt bildete und auch in Zukunft bilden muß, zeigt uns, daß wir heute eine neue Aufgabe übernehmen müssen. Es ist eine Aufgabe des Kartells, das Ergebnis der neugewonnenen Klarheit über die Verbindlichkeit und die Festigkeit des zionistischen Gedankens zu verbreiten. Das KJV. muß in Zukunft nicht nur gedanklich entschiedenen, sondern auch willensmäßig entschlossenen Zionismus zeigen; es muß daran mitwirken, daß dieser Zionismus die Haltung der Bewegung bestimmt. Dazu ist nötig, daß wir über die bloße Diskussion und Konstatierung der Anschauungen in ihrer abstrakten

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