Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1922)
- Date
- 1922-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht des Präsidiums an den Karle!! kende Stärke des zionistischen Gedankens als verbildendes Kiemen? empfunden werden. Dieser Gedankenkreis ist im Rahmen eines Berichts mr kurz zu berühren, damit angedeutet wird, auf welcher Grundlage sidi die . oben erwähnte Entwicklung des Kartells vollzogen hat; Man lut im Laufe de< Kartelljahres gegen die hier vertretene Auflassung den Ehwand erhohen, daß ihre Grundlage, die zionistische Anschauung, in ihrer Fähigkeit, Menschen zu bestimmen, und zusammenzuschließen, verändert worden sei.' Diese Frage soll hier, nach der ausgiebigen Erörterung in Kartell, nicht noch einmal untersucht werden. Wir begnügen uns an dieser Stelle mit der zusammenfassenden Bemerkung, daß nach unserer Meinung die Wirkimgsfählgkeit des zionistischen Gedankens für verständnisvdle Zionlsten — von Schwankungen der „öffentlichen Meinung" und ihrm Ursachen ist liier nicht zu reden — im Grunde von den Erfolgen und den Mißerfolgen der letzten zionistischen Epoche nicht berührt worden ist. Die Notwendigkeit des Zionismus im ganzen Umfange dieses Begriffs besteht nach wie vor» und sie ist tür die Kraft des zionistischsen Gedatkens im Kartell immer entscheidend gewesen. Aber auch seine Möglichst ist nicht nur nicht widerlegt, sondern deutlicher geworden. Das muß man auch dann sagen, wenn man die Schwierigkeiten, die der Beginn der Verwirklichung gezeigt hat, sehr ernst würdigt. Denn eben der Beginn der Verwirklichung, also ein Fortschritt, ein Beweis für die Möglichkeit, hm die Größe der Hindernisse gezeigt. Die Bedeutung dieser Hindernisse kmn nur die Bedeutung unserer Zeit für den Zionismus steigern. Eine Venänderung in der Wirkungsfähigkeit des zionistischen Gedankens, die eirti: Abschwächung der KJV.-Anschauung und der aus ihr abgeleiteten Fordeningen notwendig mache, kann also nicht anerkannt werden; vielmehr kam heute der Zionismus und die auf ihm aufgebaute Forderung des Kartells noch stärker als früher empfunden und zur Geltung gebracht werden. Auch eine Veränderung im Sinne einer qualitativen Differenzierung zwischen den in Palästina und dem im Gallith wirkenden Zionismus — bei der die Ziele des Kartells auf die Arbeit im Gallith zu beschränken wären — kann nicht anerkannt werden. Die Einheitlichkeit des Zionismus ist durdi die Entwicklung nicht widerlegt, sondern bestätigt. Das Kartell hat diese Einheitlichkeit in der Diskussion über die Ringbildung betont, als man eimr angeblich einseitigen Palästina-Orientierung die Notwendigkeit des Galuth-Zionismus gegenüberstellte. Wir haben damals darauf hingewiesen, daß die palästinensische Orientierung des Zionismus notwendig sei, nidit nur, weil der Ort Palästina von entscheidender Bedeutung für das Gelhgen der zionistischen Arbeit ist, sondern auch, weil der Galuth-Zionisrms erst durch die innere Verbindung mit Palästina Möglichkeiten und Ztde seines Lebens erhält. Diese Auffassung von der Bedeutung Palästina* bleibt heute in voHem Umfange aufrecht, zugleich aber auch die Auffas-Rtng von der Bedeutung und Verbundenheit aller Teile des Zionismus. Heute zeigt sich mehr als je, daß diese Verbundenheit nicht nur gegeben ist aus dem äußeren Grund, weil alle Teile des Zionismus für die gemeinsame Aufgabe in gleicher Weise notwendig sind, sondern auch aus dem inneren Grunde, daß das Ziel des Zionismus, in Palästina und im Caluth, überall de Schaffung eines neuen, aus eineni einheitlichen Geiste zu bildenden jüdIsmen Lebens sein muß. Das KJV. hat deswegen das Recht und die Pflicht, de Verwirklichung des Zionismus in Palästina und im Gallith als eine Aufgabe anzusehen, die sich ihm einheitlich darbietet und die in allen ihren Teilin Beachtung verlangt Wenn man, von dieser Grundlage aussei end. J;j Möglichkeiten und auch die tatsächliche Entwicklung des Karteils in positivem Sinne schildern kann, so ist gerade von diesem Standpunkt aus zu sagen; daß das Kartell seine Aufgabe nicht erfüllt hat. Der Standpunkt, der in diesem Bericht vertreten wird, geht davon aus. daß das Kartell von srinen Angehörigen viel verlangen kann und muß. Es ist aber festzustellen, daß wir auf all j:\ Gebieten mcht das geleistet haben, was wir leisten müßtei. Dieses Ergebnis