Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1922)
- Date
- 1922-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht des Präsidiums an den Kartelltag Sinne — zionistischer Lebendigkeit der Jugend überhaupt in der Zeit nach dein Kriege beteiligt ist. Tatsache ist jedenfalls, daß das Leben der? »meisten jüngeren KJV.er nicht vom KJV. sein Gepräge erhielt. Tatsache1 ist auch, daß das Kartell weder in der Art seiner Leistung, noch in der Art seiner Forderungen eine Haltung zeigte, die dem Bewußtsein einer eigenen, führenden, aktiven, zionistischen Aufgabe entsprochen hätte. So .verlor der geistige Zusammenhang des Kartells an Lebendigkeit und wurde daher gelockert. Die älteren Generationen glaubten zu sehen, daß alte Ziele verlassen und neue nicht oder nicht mit Ernst, Eiter und Bewußtsein der Notwendigkeit gesucht wurden. Sie standen den Möglichkeiten neuer Entwicklungen skeptisch gegenüber. Die jüngeren Generationen sahen im KJV. .keinen Verband, der wirklich verpflichtend wirken könne, ihre Teilnahme am Leben des Kartells und der Verbindung war vielfach flau, das Verlangen nach entschiedenerer Beteiligung wurde abgelehnt oder — was schlimmer war — ohne Ablehnung nicht befolgt. Es fehlte die Verbindung durch einen gemeinsamen Gedanken. Es ist als wichtigstes Ergebnis der abgelaufenen Kartellperiode zu verzeichnen, daß dieser Zustand überwunden ist. Es gibt heute ein KJV., das sich seiner eigenen Aufgabe bewußt ist. Der Kreis der Menschen, die nicht nur an die Notwendigkeit, sondern auch an die Möglichkeit des Kartells glauben, hat sich ausgedehnt über eine Gruppe weniger Aelterer, an denen sich die Wirkung des Kartells so stark erprobt hatte, daß sie auch in einer Zeit der Schwäche nicht verloren gehen konnte, in einen großen Kreis neu im KJV. lebender Bundesbrüder, die die Zentrale zionistisch-menschlicher Wirkung des Kartells anerkennen und beweisen. Diese Gruppe ist heute für das Kartell charakteristisch. Sie hat erkannt, daß die Aufgabe des Kartells von Menschen erfüllt werden muß — und auch erfüllt werden kann —, die sich über den bestimmten Charakter" dieser Aufgabeklar sind und deren gemeinsames Leben durch dies bestimmenden Charakter seine Färbung erhält. Das Vorhandensein dieses Kreises neuer KJV.er zeigt sich gerade darin, daß er sich abhebt von einem anderen, immer noch vorkandenen Kreise, der sich diese verpflichtende und bestimmende Bedeutung der Zugehörigkeit zum KJV. noch nicht zu eigen gemacht und der für die Fragen des Kartells oder das Leben der Verbindungen immer noch nur ein geteiltes Interesse aufzubringen vermag. Die Wirkung dieses Kreises zeigt sich andererseits auch darin, daß es durch ihn gelungen ist, in nicht mehr ganz wenigen Fällen Alte Herren, die schon längere Zeit abseits vom Kartell und dem zionistischen Leben standen, neu zu interessieren (womit, wie nebenbei bemerkt sei, eine Möglichkeit zur Einschränkung des Alten-Herren-Problems gezeigt ist, die den Aktiven besondere Pflichten auferlegt). Es dürfte heute keinem Zweifel mehr unterliegen, daß die weitere Entwicklung des Kartells von denjenigen Bundesbrüdern bestimmt wird, die sich ihres KJV.ertums bewußt sind und dafür arbeiten, daß es sich ganz durchsetzt. Die allgemeinen Gedanken, unter denen sich diese Entwicklung des Karteils zu einer fordernden, lebendigen Vereinigung vollzog, sind alte Gedanken des KJV.: einem Geist des entschiedenen Zionismus Ausdruck zu geben und diesen Ausdruck insbesondere in der Formung bestimmter menschlicher Eigenschaften zu suchen, von denen ein besonderes Verständnis und eine besondere Eignung für die Aufgaben einer Gesamtheit zu erwarten ist. Fähigkeit zur Einordnung, Disziplin, Zuverlässigkeit und Gefühl der Verantwortung sind einige dieser Eigenschaften. Sie müssen ein äußeres Ergebnis einmal in der Achtung vor der Person und Meinung anderer, in der Anerkennung des Entschlusses der Gesamtheit zeigen, aber .auch darin, daß jeder seiner Pflicht nachkommt, mit seinen Kräften und seinen Ueberzeugungen selbstdenkend und selbsttätig auf den Weg der Gesamtheit einzuwirken Sie müssen ferner ein äußeres Ergebnis zeigen in der zionistischen Leistung, oder, schwächer ausgedrückt, in der zionistisch gefärbten Art des Lebens der Einzelnen und der Gesamtheit. Hinter diesen Eigenschaften rnd ihren Zielen muß die, auch persönlich wir-