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Der jüdische Student · 1922-04-01 · Heft 4 (April 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 4 (April 1922)
Date
1922-04-01
Page
[Seite] (sequence 70)
Language
German
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68 beurteilte man mHjenem gediegenen Tatsachensinn, der sieh an der Getreidebörse erlernt und der Wäre sofort greifbar bevorzugt. Aber die Befürchtung bestand, daß der General und der Präsident zur nächsten Einweihungsfeier nicht mehr kommen würden. Solche Leute verstehen so schlecht, zwischen Juden und Juden zu scheiden. Man mußte also den Zeigefinger erheben und den Mund auf tun. Dieser Zeigefinger war weithin sichtbar und aus dem Munde kam nichts Gutes. Der Zionist, so ließ man austrommeln, sei eine wesentliche Ursache des Antisemitismus, ein Staatsbürger minderen Grades und überhaupt jedem Patrioten höchst verdächtig. Ich hatte immer geglaubt,- daß dies alles nicht mehr überboten werden könnte. Getrost, es ist überboten worden. Rechtzeitig in dem Augenblick, wo durch den Krieg, seine Erfahrungen und seine politischen Folgeerscheinungen zwischen der offiziellen Judenheit und den Zionisten erträglichere Beziehungen geschaffen sind — just in diesem Augenblick betritt geräuschvoll ein Herr Naumann, Max Naumann, seinerseits die Bühne. O, daß er im Parkett geblieben wäre! Es hätte sich da gut mit ihm plaudern lassen: er erschiene als ein Mann von menschlichen Qualitäten mit an sich achtenswerten Gefühlen und einer etwas komischen Theorie. Denn wenn einer von der ausschließenden Intensität seines deutschen Gefühls und der belanglosen Äußerlichkeit seiner jüdischen Abstammung ein Bekenntnis ablegt, — viel Glück auf den Weg, denkt man dann; und im übrigen geht einen dieser Weg, der Weg manches stark assimilierten Westjuden, nichts weiter an. Unser Naumann aber stellt sich auf die Bühne und bemüht sich, Aufsehen zu erregen. Es wird also notwendig, an seinen" Gesangskünsten, je nach Standpunkt, öffentliches Ärgernis oder öffentliche Heiterkeit zu nehmen. Zunächst taucht die Kardinalfrage auf, warum er sich überhaupt produziert. Wer sonst öffentlich eine Meinung verficht, wünscht, andere zu überzeugen, um möglichst viele Menschen durch, die eigene Tiefe zu beglücken. Max Naumann will das ausgesprochenermaßen nicht. Und er kann es auch gar nicht wollen, weil er sich eine Spezialtheorie ausgeheckt hat, die diesem Bestreben widersprechen würde. Es gibt in Deutschland, so singt er, drei Schichten von Juden: die Nationaldeutschen, die Jüdischnationalen und die Zwischenschicht. Die Nationaldeutschen sind in ihrem Gefühl kerndeutsch; kein jüdischer Hauch weht mehr durch ihre lichtdeutsche Seele. Die Jüdischnationalen wieder sind kernjüdisch; kein Säftlein deutscher Erde hat irgendwie bestimmend in sie einzuströmen vermocht. Zwischen diesen edlen Harmonien taumeln vertattert die Mischlinge der Zwischenschicht. Deutsches und jüdisches Gefühl halten sich hier etwa die Wage: ihr Deutschtum findet schnell am Judentum, ihr Judentum am Deutschtum seine Grenzen. Wobei vor allem wichtig bleibt, daß sie des wahren Deutschtums, durch den nationaldeutschen Juden prächtig vertreten, leider gänzlich ermangeln. Und" wie entstanden diese drei Gefühlsgruppen? Glaubet nur, hier ist ein Rätsel der Natur; so verschiedene Triebe sproßten aus gleichem Stamme. Ach, es ist ein Gesang von mystischer Lyrik, wenn unser Sänger von dem Wunder lallt, das „ein fremdes Gewächs (den Juden nämlich) in ein kerndeutsches (den nationaldeutschen Juden nämlich) umgezüchtet" hat. So mystischem Geschehen blieb der Jüdischnationale völlig unzugänglich, während in dem Zwi- '^*f**wmiMdiädiim Um QUrCll Unbeeintlußbare Und Vielleicht schon weit-zurückliegende Natur-

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