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Der jüdische Student · 1922-04-01 · Heft 4 (April 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 4 (April 1922)
Date
1922-04-01
Page
[Seite] (sequence 69)
Language
German
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67 bauen. Das Ziel ihrer Anwendung aber ist unveränderlich: Erziehung zur persönlichen Initiative, zum Verantwortlichkeitsgefühl, zu einer, allem Kadavergehorsam und Militärbetrieb weltenfernen Selbstdisziplin als Grundlage der Massendisziplin, zu geistigem und moralischem Aufbau des jüdischen Volkes und materiellem Aufbau des jüdischen Palästinas oder, wie jemand einmal gesagt hat, zur Urbarmachung der jüdischen Energie und des jüdischen Landes. DER FALL NAUMANN. Von Gustav Krojanker. ,.....Man muß nicht aufhören, sie zu ärgern; das allein kann helfen. Man soll sie nicht einzeln ärgern — es wäre unrecht, es sind sogar gute Leute, man muß sie in Masse ärgern. Man muß sie zum Nationalärger stacheln, kann man sie nicht zur Nationalfreude begeistern, und vielleicht führt das eine zum anderen." (Börne.) I. Wenn ich noch denke, wie einige Jahre vor dem Kriege die Synagoge Fasanenstraße in Berlin eingeweiht wurde, — rinnt mir die Zähre. Auch sonst schlug jedem Patrioten das Herz höher. Ich sage nur, wen man unter den Anwesenden bemerkte. Man bemerkte den General von Kessel, Exzellenz; man bemerkte auch den Polizeipräsidenten Traugott von Jagow; von den sonstigen Spitzen sonstiger Behörden, deren ehrfurchtheischende und freudeweckende Namen meinem Gedächtnis leider entfallen sind, ganz zu schweigen. Wilhelm fehlte allen sehr; immerhin war er durch die Kadiner Kacheln des großen Trausaals würdig und lukrativ genug vertreten, Jeder merkte, daß etwas angebrochen war: eine neue Aera nämlich. Jüdischerseits revanchierte man sich. Den Umstand, daß hier ein jüdischem Geiste und jüdischer Frömmigkeit gewidmetes Haus seiner Bestimmung übergeben werden sollte, streifte man leicht, ohne im übrigen viel Aufhebens davon zu machen; dafür war vom Erbfeind und anno siebzig die Rede. Ströme jüdischen Blutes waren geflossen; die Treue zu Kaiser und Reich ist jüdisches Grundgesetz schon von Sinai her. Kurz: man beging Sedan mit einem unzweckmäßigen Zeremoniell. Und mit dem Augenblick, wo die hohen Gäste den jüdischen Obleuten zum Schluß beglückwünschend die Hand drückten, mit diesem Augenblick datierte man einen neuen Abschnitt in der jüdischen Geschichte. In so glanzvollen Zeiten stand der Zionist abseitig und gedrückt in der Ecke, als ein nicht genug zu verabscheuendes Individuum. Seine freche Behauptung, daß es ein jüdisches Volk gäbe; sein schamloses Eintreten für die Interessen diese Volkes; überhaupt die peinliche Betonung jüdischer Sonderaufgaben erforderte Gegenmaßregeln. Nicht als ob man diese fanatischen Eckensteher an sich ernst genommen hätte. Ihre utopistischen Narreteien 5*

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