Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 4 (April 1922)
- Date
- 1922-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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Einstein spricht in Berlin. Resonanz: „Hängt -den Juden, den Schaumschläger, auf."^ Etwas später: Einstein fährt auf Einladung der Franzosen nach Paris. Stimmen der Pariser Presse: „Wir begrüßen den aus der Schweiz stammenden Gelehrten", Chor der deutschen Presse: „Einstein vertritt in Paris den deutschen genialen Geist; er wird neben Galilei und Newton genannt werden. Ihm konnte auch der Haß der französischen Gelehrten sich nicht länger entziehen." Kulturunterschiede. Rabbi Jochanan Ben-Sakkai ließ sich während der Belagerung Jerusalems in einem Sarg vor den Römer Titus führen und erbat die Erlaubnis, in Jabneh ein Lehrhaus zu gründen. (So rettete er das Judentum, welches das siegreiche Rom um Jahrtausende überdauerte.) Bei anderen Völkern pflegten in ähnlichen Fällen die Führer der erliegenden- Truppe um die Erlaubnis zu bitten, ihren Degen, zu behalten. Heute streitet man sich bei solchen Gelegenheiten um die Zahl der auszuliefernden Maschinengewehre und Eisenbahnwaggons. Es war eben damals eine kulturlose Zeit und die Juden waren schon damals ein tüchtiges Volk, das stets auf seinen Vorteil bedacht wär. Menschliche Einkehr. Die Juden waren auch vor dem Kriege im Handel immer nur dort unreell (wenn man solche Gesamturteile überhaupt fällen darf), wo auch die Wirtsvölker unreell waren; sie bestachen nur dort, wo auch das Wirtsvolk in Korruption lebte und die Juden auf diesem Wege noch besonders auszupressen verstand. Immerhin, ein Volk, seit 2000 Jahren ohne Land, ohne gesunde Berufsschichtung, in härtester körperlicher und seelischer Bedrängnis. Es ist bewundernswert, wieviel Geist, Seele und Gemüt dabei gerettet werden konnte. — Ein ander Bild: Ein Volk im eigenen Land, stark, jung im Aufblühen, Inhaber eines Platzes an der Sonne, stolz auf Reellität* und Jahrhunderte alte Tradition absoluter Unbestechlichkeit, hat vier Jahre Krieg; Unglück, nie und an keinem Ort vergleichbar dem tausendjährigen jüdischen Leid. Und doch, die Tradition der Jahrhunderte ist fort, der Sumpf, die Korruption ist da und beginnt noch halb im Glücke, gerade bei dem Sitz der Tradition, dem Militär, Vorwürfe? Nein, aber hat einer aus diesem Volke schon ein Mäl an diesen Vergleich gedacht und deshalb von seinem Hochmut etwas abgelassen? Der Jude, der vor zweitausend Jahren seine Niederlage erlitten hat und inzwischen von fast allen Völkern der Erde geplündert und gemordet worden ist, schlägt sich in Erinnerung 'an die Niederlage an seine Brust und ruft an jedem tag der Selbstbesinnung: „Ich habe gesündigt, ich habe gefehlt, o Herr, vergib!" Wenn man an jüdische Dinge mit anderen als jüdischen Tendenzen herantritt-- „Ich ^erstehe (obwohl Jude) zunächst kein Wort — was ein Beweis gegen die von den Zionisten behauptete alljüdische Einheit ist", sagte der Kritiker A. nach seinem ersten Besuch im „Jiddischen Theater" in Berlin. Die