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Der jüdische Student · 1922-04-01 · Heft 4 (April 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 4 (April 1922)
Date
1922-04-01
Page
[Seite] (sequence 58)
Language
German
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Als nach dem Kriege auf jedem Gebiet neu aufgebaut werden mußte, wurde auch hier reorganisiert und Neues geschaffen* Die alten Formen des deutschen Korporationslebens — für das K. J. V: nie wesentlich und nur aus Zweckmäßigkeitsgründen und in anderem Zuschnitt übernommen— wurden als uns völlig wesenfremd zum Teil über Bord geworfen, zum Teil unserem Eigenleben völlig angepaßt. Auch ein Sportszweig fiel damit, der bis dahin das Verbindungsleben stark beeinflußt hatte: das Fechten. Da der Be* griff einer besonderen s tu de ntischen Standesehre irn K, J. V. abgelehnt wurde, verbot man jede Satisfaktion. Die Werte, die im Fechten liegen, konnten durch andere Sportszweige besser gepflegt werden. Und hohe Werte sind im Sport vorhanden. Sie sind gerade für die Juden bedeutungsvoll. Sie, Individualisten, des Gemeinschaftsgefühls bar, müssen erst wieder erleben, müssen es lernen, sich einem gemeinsamen Gedanken und einem Befehl unterzuordnen. Als wichtiges Erziehungsmittel haben die Leibesübungen schon heute ihren Platz im K. J. V.; sie werden sich immer mehr Geltung verschaffen und verschaffen müssen. Daß der Gedanke des Sportes bei uns eng mit dem Zionismus verknüpft ist und in ihm wurzelt, zeigt schon die oben erwähnte Tatsache, daß wir den Sport unabhängig und im Gegensatz zu der uns umlgebenden Studentenschaft aufgenommen haben. Über die engere Gemeinschaft unseres Bundes hinaus, soll er uns fähig machen, "die Gemieinschaft unseres jüdischen Volkeszu erleben und Dienst am Volke zu leisten. In den langen Jahren des Galuth hat unser Volk verlernt, Körperkultur zu treiben. Der schwächliche Jeschiwebocher war lange genug Stigma unserer Verbannung. „Jüdische Renaissance" ist der Zionismus genannt worden, den neuen jüdischen Menschen will er bilden. Diese Wiedergeburt aber ist nur möglich, wenn alles körperlich Kranke geschwunden ist. Erst dann wird unser Volk fähig sein, Geistesgüter zu schaffen, die sich den großen Kulturschätzen der Vergangenheit würdig zur Seite stellen können. Der Sport mag uns ferner dazu dienen, mit den Nichtjuden in Konkurrenz zu treten. Weit davon entfernt zu glauben, daß ein Sieg auf dem Sportplatz oder im Rüderboot den Antisemitismus

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