Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 4 (April 1922)
- Date
- 1922-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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54 mische Blau-Weiße, die vorher ein halbes Jahr bei einem alten Kolonisten war und so ganz gut meinem westeuropäischen Geschmack mit den hiesigen Mitteln entsprechen kann. Ihr Bräutigam, ein netter und auch sehr tüchtiger Blau=Weißer aus Wien, besorgt die Einkäufe und die Buchführung. Im Herbst wollen sie heiraten. Gut befreundet bin ich mit meinem hebräischen Lehrer, einem Jungen aus Galizien, der bis vor kurzem beim Straßenbau arbeitete. Er hat in Wien Naturwissenschaften studiert, leider nicht genug und vor allem, da er damals noch nicht wußte, was für hier wesentlich ist, sich nicht richtig spezialisiert. Jetzt arbeitet er am Vormittag mit uns und gibt uns abends Unterricht. (H. P. ist gestern von hier fort. Nachdem er hier acht Tage gearbeitet hat, ist er auf eine andere Stelle gegangen, die ich ihm durch Bundesbruder Weizmann, der bei der Regierung einen leitenden Posten in der Abteilung für Forst* und Landwirtschaft hat, besorgen konnte. Migdal ist 'für jemand, der stark abgenommen hat, nicht gut. Ich hoffe, daß ihm die Abwechslung gut tut. Im Winter kommt er wieder her.) — Nach dem Essen brause ich und schlafe dann in meinem Zimmer i—2 Stunden. Dann lese, lerne oder schreibe ich bis 2 LThr. Bis um 6 Uhr ist dann wieder Arbeit. Nach dem Abendessen: Hebräisch oder wozu man sonst Lust hat. Ich führe auch neuerdings die Bücher für unser Versuchsfeld bei Bbr. Zlocisti und außerdem eine größere Korrespondenz betr. meine Zukunftspläne in Migdal. Leider muß ich das machen, da sonst niemand hier für diese Arbeit in Betracht kommt. Wer das nicht mit ansieht, kann sich überhaupt keine Vorstellung machen, wie gänzlich unfähig hier die Menschen sind, etwas zu organisieren, angefangen mit dem hebräischen Unterricht z. B. in Migidal bis zum Absatz der Waren in Damaskus. fe — Daß Ihr übrigens nicht zu befürchten braucht, daß ich mich in einer meiner Ausbildung ungünstigen Weise festlege, habe ich Euch, glaube ich, schon' geschrieben. Mein alter Plan erscheint mir durchaus richtig. Daß im Herbst M. H. kommt, wißt Ihr wahr* scheinlich auch schon. Ich, freue mich natürlich sehr auf-ihn. Ich möchte Euch nun bitten, ihm ein paar Dinge, die ich für den Winter nötig habe, mitzugeben, wenn Ihr sie nicht selber bringen wollt. Wenn es Euch aber besser erscheint, sie hier zu kaufen, so geht es auch. Ich fürchte nur, sie sind hier teurer oder schlechter. Da sind