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Der jüdische Student · 1922-04-01 · Heft 4 (April 1922) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 4 (April 1922)
Date
1922-04-01
Page
[Seite] (sequence 55)
Language
German
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55 hinunterzugehen, sich zu waschen und die Feldflaschen zu füllen. Inzwischen hat einer den Tee gemacht und wir frühstücken, nachdem jeder einzeln festgestellt hat, daß weder der Hahn noch unsere zwei Hühner ein Ei gelegt haben. Wenn sie sich bis Schabbes nicht bessern, müssen sie bluten. Ich glaube aber, wenn wir sie morgen im Freien lassen (solange müssen sie sich an den Stall gewöhnen) werden wir mehr Glück haben. Um 5 Uhr beginnt die Arbeit. Meist hacke ich mit dem Pickel in den Pflanzungen. Hin und wie» der vertrete ich auch einen kranken Kutscher und pflüge oder fahre mit der Diligence nach Tiberias, um Besuch wegzubringen öder Post zu holen. — Es ist übrigens interessant, daß. es hier tatsächlich unter den Juden keine Klassenunterschiede gibt. Und zwar ist das gar nichts Gewolltes, sondern etwas ganz Natürliches. Dies ist umso merkwürdiger, als doch große finanzielle Unterschiede da sind. Wir haben manchmal mittags Besuch (die Hausfreundschaft erinnert stark an alte griechische Verhältnisse, doch gehts bei manchen Gruppen zu weit, die mehr geben, als sie haben). Die meisten wissen wirklich nicht, ob einer Arzt, Arbeiter, Inge» nieur oder sonst etwas ist. Stolz (manchmal mit Recht, manchmal mit Unrecht) sind die meisten nur auf den Kreis, dem sie angehören. Wenn einer sagt: „Ich bin in Daganiah" oder „vom Waad Haazirim" so hat er dasselbe Gefühl, mit dem sich ein Offizier Wilhelms IL vorstellte: „Leutnant ... 2. Garderegiment*\ Pferde gibt es hier zur Arbeit wenig, nur Maultiere. Sie sind aber ebenso stark und meist leicht meschugge-. An steilen Stellen, an denen man sonst nichts böses denkt, packt sie der Ehrgeiz hinabzulaufeh und derlei Scherze, so daß man sehr aufpassen muß. Wenn es nötig ist, vertrete ich" auch den Schweizer (ich bin nämlich auf der ganzen Farm außer ihm der einzige, der richtig melken kann). In kriegerischen Tagen bezw. Nächten gehe ich mit einem Gewehr spazieren und der Ruf meines Namens scheint schrecklich zu sein; denn bis dato ist niemand gekommen. Ich könnte auch ein Gespann für dauernd übernehmen, eine x\rbeit, die mir am meisten Freude macht, aber ich fürchte, ich lerne dann nicht genug, da ich dann an demselben festgenagelt bin. Um 10 Uhr ist* Mittagspause. Erst gehen wir in den See. Wir haben herrlichen Strand und können, bevor wir schwimmen müssen, sehr weit hinausgehen. Dann gibt es Essen. Kochen tut für uns eine böh»

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