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Der jüdische Student · 1922-04-01 · Heft 4 (April 1922) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 4 (April 1922)
Date
1922-04-01
Page
[Seite] (sequence 44)
Language
German
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42 aber in dem wundervollen Gedicht des Jeremia, das ich oben schon in anderem Zusammenhang erwähnte und ich hier zitiere : Jer. 3,14 Kehrt um, ihr in der Irre gehenden Söhne! — raunt der Ewige Ich — ich bin euer Herr! Ich hole euch . Aus jeder Stadt einen ja, zwei aus jeder Sippe Und bringe euch heim nach Zion! Ich gebe euch Hirten nach meinem Herzen Daß sie euch weiden voll Erkenntnis und Weisheit! Wenn ihr euch dann mehrt Und seid fruchtbar im Land In jenen Tagen-- Dann sagt man nicht mehr; O die Lade des Bunde? mit Gott! Niemandem kömmt sie in den Sinn Niemand denkt ihrer mehr! Man fragt nicht nach ihr Und macht sie nicht neu! Zu jener Zeit Nennt man Jerusalem selbst „Den Thron Gottes!" Da versammeln sich dann alle Völker, Nicht wandeln sie mehr Dem Starrsinn nach Ihres bösen Herzens! Hier ist alles zusammengefaßt: Die prophetische Ablehnung des sichtbar Dinglichen in der Religion; der den Zusammenbruch überstrahlende Glaube an eine Rückkehr und an eine nationale Wieder* geburt; zugleich der Gedanke einer radikalen, durch das Ziel gebotenen Auslese („— einen aus jeder Stadt, zwei aus jeder Sippe!") Die Gewißheit, daß der so geeinte Volksextrakt auf eigenem Boden den Idealtypus einer Volksgemeinschaft vorleben wird; und schließ* lieh, — ein nur scheinbarer Widerspruch — ein erhabener Universalismus, der sich auf alle Völker erstreckt. Dies ist das Bild, das wir gewonnen haben: die Idee der Zerstreuung —: der konzentrierte Ausdruck des prophetischen Protestes gegen den religiösen Eudämonismais des Volkes, dem sich die überragende Macht des Volksgottes mit einem die sittlichen Impulse lähmenden Vertrauen auf deren einseitige Anwendung zugunsten des auserwählten Volkes verknüpft (z. B. Mi. 9, 3—12); die Konsequenz aus der sittlichen Religionsanschaüung der Pro» pheten, die zu dem in den Augen der Zeitgenossen umgehenden

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