Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 4 (April 1922)
- Date
- 1922-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3537599-3537768-3537772--5571-3543690- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
4* in dem um einen Ausweg ringenden prophetischen Denken die bedeutungsvolle „Rest-Idee (genauer die Auslese=Idee): schear jaschuw!", „ein Rest wird umkehren" — nur ein Rest! — ist das prophetische Programm des Jesaia (10, 20—23), Drohung und Verheißung zugleich, allen sichtbar inkarniert in seinem „schear jaschuw" benannten Sohn (7,3). Es mag dahingestellt bleiben, ob diesies ,jjujmkehren" hier lediglich als inneres Sichbekehren zu Jahwe oder gleichzeitig auch als physisches Zurückkehren ins Land gedacht ist, — jedenfalls ist dieser Begriff in enger Verbindung mit dem Gedanken der Wiedersammlung in die prophetische „Theologie" übergegangen und scheint geradezu die Rolle eines programmatisch kennzeichnenden Schlagwortes gespielt zu haben.10> Der gemeinsame Gedanke ist: die erwartete Katastrophe hat die Auf* gäbe, alle aus dem Bestände des Volkes auszuscheiden, die zu einer wahren, dauernden Einkehr und Umkehr unfähig sind; — alle die Anderen aber wachzurütteln, die in sich, wenn auch verschüttet, das Gute tragen, — also nur die übrig zu lassen und für den Neuaufbau des Volkes auszusieben, die in sich die Gewähr tragen, die Gemeinschaft der Endzeit, das wahre Israel, bilden zu können. Der Gedanke selbst ist älter als Jesaia; gleich der erste der Schriftpropheten hat ihm die unübertrefflich knappste Formulierung verliehen. Arnos 9,9—10: „Siehe, ich gebe Befehl unter alle Völker zu schütteln das Haus Israel, wie man im Siebe schüttelt, kein Korn fällt zu Boden (sc. während die Spreu ausgeschieden wird): Durchs Schwert werden fallen alle Sünder meines Volks — — Dann aber will ich aufrichten die verfallene Hütte Davids — usw." Es ist im Grunde derselbe Gedanke, den Herzl in die Worte gefaßt hat: „Die Judenhetzen haben immer nur unsere Schwächlinge zum Abfall bewogen. Die starken Juden kehrten trotzig zu ihrem Stamme heim, wenn die Verfolgungen ausbrechen." (Judenstaat.) Die Auslese wird aber vielleicht nicht nur durch das Galuth bewirkt, sondern sie erfolgt zum Teil erst jetzt beim Ubergang aus dem Galuth in die Wiederverpflanzung durch einen Akt freier, selbständiger Willensentscheidung. Dieser Gedanke leuchtet einige Male bei den Propheten hervor, so Hesek. 20, 33—38, vor allem 10> Der Ausdruck wechselt; schear (z. B. Jes. 28, 5) scherith (z. B. Micha 12; 4, 7; Jer. 23, 3) jether (z. B. Mi. 5, 2).