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Der jüdische Student · 1922-04-01 · Heft 4 (April 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 4 (April 1922)
Date
1922-04-01
Page
[Seite] (sequence 42)
Language
German
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40 wir die Formulierung dieses Gedankengangs zu einem klaren Schema-8^ Hier also, in der Idee einer durch das äußere Schicksal organisch bedingten inneren Entwicklung und eines in Wechselwirkung zur objektiven Geschichte sich natürlich vollziehenden ethischen Fortschritts wurde jener sehnsüchtige Glaube der Propheten an eine gotterfüllte Menschengemeinschaft der Endzeit, die sonst nur durch einen rätselhaften Eingriff der Gottheit in den ganzen Naturverlauf verwirklicht gedacht werden konnte, in den Zusammenhang möglicher historischer Erfahrung erhoben; der ideale Zustand, den der prophetische Wille in einen Akt der Opposition gegen die korrupte Gegenwart sonst in eine absolute Zukunft projicierte, auf eine Ebene, die mit der Gegenwart keinen anderen Zusammenhang hatte als den durch das Wunder, wurde hier in einer historischen m successiver Realisierung begriffenen Perspektive gesehen; damit wurde das Volk in ein geschichtliches Erlebnis hineingestellt, das es zu dem erschauten organisch hinleiten mußte. — So finden wir mehrfach den Gedanken, daß am Ende des Exils — daß durch diese Zeit der Prüfung in den Herzen des Volkes der Boden vor* bereitet sei, eine neue, bessere — die gute, sittliche Menschengemeinschaft zu bilden, daß dann das Volk reif dazu geworden sei, daß — wie die prophetische Terminologie lautet — Gott mit ihm einen „neuen Bund" schließen kann: Diese Idee des „Neuen Bundes" (ihre schönste Formulierung bei Jer. 31,31—34) wird mit der Hoffnung auf Rückkehr aus dem Exil verknüpft.9) Zu jener optimistischen Erwartung einer Bekehrung des Volkes als Ganzem konnten sich die Unheilspropheten jedoch nur selten verstehen, zumal sie beobachten konnten, daß die göttlichen Züchtigungen in kleinmütigem Mißverstand nur Zweifel an der Macht des Volksgottes, nicht Umkehr hervorriefen. So entstand S) Dtn. 4, 27—30; und 30, 1—6: „Wenn über dich kommen alle diese Dinge — und du in dich gehst unter all den Völkern, wohin der Herr dich verstoßen und du zurückkehrest zu Gott — dann wird der Ewige dich wieder sammeln. — Und wenn deine Zerstreuten an den Enden des Himmels sind, so wird von dorther der Herr dich sammeln —" Oder man vergleiche Jer. 24, 5—7, wo die Verbannung geradezu als eine Wohltat bezeichnet wird, weil sie über den Weg der inneren Umkehr zu um so festerer Wiederverpflanzung. führt. Ebenso Jer. 29, 11—14. (vergl noch Hos, 2, 16—17!) - 8> Jer. 32, 37—41; Hes. 11, 16—20; 36, 26—28.

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