Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 4 (April 1922)
- Date
- 1922-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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33 andern Ende. — — Unter diesen Völkern wirst du nicht rasten, es wird keine Ruhestatt sein für den Ballen deines Fußes; der Herr wird dir daselbst geben ein zages Herz, Hinschinachten der Augen und Ohnmacht der Seele. Dein Leben wird immer in der Schwebe sein und du wirst zagen Nacht und Tag, und nicht trauen deinem Leben. Am Morgen wirst du sprechen: wär* es schon AbendI und am Abend wirst du sprechen: war' es schon Morgen! vor Bangigkeit deines Herzens, die du bangen wirst und vor dem Anblick deiner Augen, den du erblicken wirst." (vgl noch DtiL 29, 27.) Ein nicht seltener Gedankengang fällt uns insbesondere bei den Propheten auf: der echte nationale Gottesdienst ist so eng und unzertrennlich mit dem Boden Palästinas und der lebendigen Volksgemeinschaft verbunden, daß mit der Entwurzelung aus diesem Boden und der Sprengung dieses organischen Zusammenhangs die unerläßlichen Voraussetzungen für die Ausübung der Religion dahinschwinden. Der Gedanke einer individuellen Religion lag den Propheten fern: Religion basiert auf Gemeinschaft. So ist wahrer Gottesdienst nur in einem lebendigen Volksorganismus und dieser nur im eigenen Lande möglich. Es ist dies ein besonderes Motiv in den prophetischen Verkündigungen und im Deuteronomium, stets im Anschluß an die Exilsweissagungen; dann — nämlich im Exil und in der Zerstreuung — habt ihr euch die Möglichkeit echten Gottesdienstes verscherzt; dann seid ihr im „unheiligen" oder „unreinen" Land, wie die Propheten sieh in ihrer konkreten Art ausdrücken, eure Gebete und eure Gottesdienste, eure Feste und eure Opfer werden dann, ja müssen dann nach der Art „der Völker" sein, da die Verbundenheit mit der heiligen und heiligenden Erde Palästinas verloren ist.2) Man bedenke überhaupt, was alles dies gerade bei den Propheten bedeutet: dieselben Männer, die sich mit einer Kühnheit und Folgerichtigkeit religiöser Vergeistigung, wie sie in jener Zeit einzig dasteht, über alle äußerlich sinnlichen Bedingungen der Religion hinwegzusetzen vermochten, die Kult und Opfer, Zeremonieen, Riten und Symbole als dem Wesen echter Religiosität fremden Ballast bekämpften, sie haben doch alle niemals darauf verzichten können, die physische Verbundenheit mit dem Lande als unerläßliche Voraussetzung eines national-religiösen Eigenlebens zu betrachten; dieselben Männer, deren einer — Jeremia — das Volk nach der Zerstörung Jerusalems über den Verlust 2> Vgl. z. B. Am. 7/17, fiosea 9, 3—4, Hesekiel 4, 13, Dtn. 28, 36—37, dto. 64; ferner 1. Sam. 26, 19). 3