Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1922-04-01 · Heft 4 (April 1922) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 4 (April 1922)
Date
1922-04-01
Page
[Seite] (sequence 34)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3537599-3537768-3537772--5562-3543681
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

32 darum schleudere ich euch^weg,--so wie ich den ganzen Stamm Ephraim weggeschleudert habe!" Hier haben wir d i e religiös-nationale Unheilsdrohung der Propheten. Denn wir können geradezu feststellen: So sehr auch die Details, mit denen die Propheten sich das göttliche Strafgericht ausmalten, die visionär erschauten Einzelscenen von der großen Katastrophe, bei den verschiedenen Propheten und in ihren verschiedenen Weissagungen variieren — wenn die dem Volk bevorstehende göttliche Strafe in ihrer ganzen Fürchterlichkeit in letzter Konzentrierung und Eindringlichkeit gekennzeichnet werden soll,, so lautet sie: „Verbannung, Zerstreuung, Heimatlosigkeit". . Das. gilt vom ersten Auftreten der Schriftprophetie an. So ist es bezeichnend, daß die Denunziation des Priesters Amazja gegen Arnos, ihm eigentlich nur dies zur Last legt: daß er Israel die Verbannung androhe (Arnos 7,11); so furchtbar war dieser Gedanke in den Augen eines erdverwurzelten Volkes, daß schon seine Äußerung als Blasphemie aufgefaßt wurde! Und die Propheten ihrerseits, in dieser Beziehung gleich dem Volke fühlend, wissen sich für ihre Drohungen keinen besseren Gipfelpunkt als diesen einen. Einige Beispiele: Arnos 7,17, am Schluß einer Reihe einander überbietender Drohungen: „— und Israel wird aus seinem Lande in die Verbannung geführt werden!" 6,7: „--darum sollen sie nun allen voran in die Verbannung ziehen —!" Ferner Arnos 5,27: Hosea 9,17: „--flüchtig sollen sie sein unter den Völkern!"1) Ebenso Jer. 17,4, H e s e k i e 1 5,2 u. 12. Und dann noch jene Stelle aus dem Deuteronomium, in der sich diese von den Propheten immer wieder, hier und dort, bei jeder Gelegenheit hervorgestoßenen kurzen Drohungen verdichtet haben zu einem wundervoll ergreifenden und —, wie eine tausendjährige bittere Geschichte lehrt, — nur zu wahrem Bilde vom Zustande eines Volkes im Gallith : . Dtn. 28, 63—67: „--und ihr werdet herausgerissen werden aus dem Boden, dahin du kommst, ihn einzunehmen. Der Herr wird dich zerstreuen unter die Völker von einem Ende der Erde bis zum 3) Jesaia 5, 13, ein erschütternd schmerzlicher Ausruf am Schluß eines Scheltwortes gegen die schlemmenden Vornehmen: „--darum muß mein Volk in die Verbannung wandern und weiß nicht wie!" Jeremia 9, 15: „--ich will sie zerstreuen unter die Völker, die weder sie noch ihre Väter gekannt--

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.