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Der jüdische Student · 1922-04-01 · Heft 4 (April 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 4 (April 1922)
Date
1922-04-01
Page
[Seite] (sequence 36)
Language
German
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34 der Bundeslade wie über etwas leicht Entbehrliches. hinwegtröstet (s. weiter unten), haben gleichzeitig die Verbundenheit mit dem Lande für etwas gehalten, auf das verzichten zu müssen für das Volk die fürchterlichste Strafe ist — und: auf das sie ihr Volk auf die Dauer auch nicht verzichten lassen, konnten! Und hiermit kommen wir zum Gegenbild der Zerstreuungsweissagungen. — Es ist bei Hesekiel, wo m, W. zum ersten Mal jener entsetzliche Gedanke deutlich auftritt, der nachmals bei der Betrachtung des Juden in der Geschichte der Völker zu solcher- Popularität gelangt ist: Gott habe bei jener nationalen Katastrophe von 586 einen Volksrest aus dem Untergang durch „Schwert, Hunger und Pest" eigens zu dem Zweck gerettet und dann unter die Völker zerstreut, damit er dort als lebendiges Zeugnis menschlichen Abfalles und göttlicher Gerechtigkeit, als abschreckendes Beispiel umherirre: ihre Verworfen* heit solle eine Rechtfertigung des göttlichen Tuns und ihr Schicksal eine beispiellose Kundbarmachung der strafenden und rächen« den Macht des Ewigen vor den Augen der ganzen Völkerwelt sein.3> Und von Deuterojesaia, dem Propheten am Ausgang des Babylonischen Exils, dessen Blick sich schon für die Ziele einer Gesamtmenschheit geweitet hatte, stammt jener Gedankengang, dessen einer Teil uns Heutigen durch die Christusfigur und dessen anderer uns durch die moderne jüdisch-liberale Missionsidee vermittelt wird; nämlich, daß Israel, indem; es verbannt ist, um der Völker willen leidenderen Sünde und Schuld es damit auf sich genommen habe (Jes. Kap. 53), und zum andern, daß es der geschichtliche Beruf Israels sei, allen Völkern, unter die es komme, die wahre Gotteserkenntnis und das „Recht" zu vermitteln. "'(Vgl. z. B. Jes. 42, 1—9). Und doch: hat etwa einer von diesen beiden aüch nur einen Augenblick an eine Verewigung jenes Zustandes der Zerstreuung gedacht, obwohl dies hier nahe gelegen hätte? Ganz im Gegenteil! Kein Prophet gibt so genaue Schilderungen von der Organisation des wieder in Palästina geeinten Volkes wie gerade Hesekiel; und keines Propheten Werk durchbraust die Hoffnung und die sichere Erwartung der Wiedersammlung und Heimkehr mit so hymnischer Macht, wie gerade das des Deuterojesaia. Von dieser Erwartung hat sich kein Prophet ausgeschlossen, selbst der düsterste Unheilverkünder, selbst ein; Arnos nicht. s) (Hes. 12, 15—16): Ahaswer, der ewige Jude. (vgl. dazu noch Hes. 14 21—23; Dtn. 29, 23—27; Jer. 24,*9).

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