Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 4 (April 1922)
- Date
- 1922-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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29 Anstalt ermöglichen würde. Unsere Kewuzothf (Arbeitergenossenschaften) und die jüdische Bauernwirtschaft werden gut ausgebildete Wirtinnen und solche ländliche Arbeiter bekommen, denen auch die für den Landwirt so wichtigen einfachen handwerklichen Techniken in Tischlerei und Schlosserei geläufig sein werden. So unbedingt die Erziehung fürs Land Hauptaufgabe der Schule bleiben muß und der Schule allein die Existenzberechtigung sichert, so muß doch damit gerechnet werden, daß, wie auch vor dem Kriege, Diasporajuden den Wunsch haben werden, ihre Kinder in Palästina zu erziehen und ihnen mit einer guten höheren Bildung eine hebräisch-nationaijüdische Erziehung zu geben. Viele von diesen Eltern werden vielleicht wünschen, daß ihre Kinder die Berechtigung erwerben, eine europäische Hochschule zu besuchen. Für diese Kinder kann die Schule ihrem sechsjährigen Unterbau einen zweijährigen speziellen Kurs der Universitätsvorbildung angliedern und so in ihrem Oberbau mit Technikum, Beamten- und Frauenschule sowie Universitätsvorbereitung, die. Vielgestaltigkeit der Kurse aufweisen, wie sie z. B. die amerikanische high=school zeigt. So wenig dadurch auch nur im mindesten der Grundcharakter der Schule verdunkelt werden darf, so soll doch der Gedanke nicht gering geschätzt werden, daß die Erziehung des Diasporanachwuchses mit der palästinensischen Schule verknüpfft wird. Die Mitarbeiter der hebräischen Realschule in Haifa verbinden mit diesem Gedanken den Wunsch, der sich ja unmittelbar aus dem ganzen Erziehungscharakter der Schule ergibt, der Anstalt eine Erziehungsstätte anzugliedern, die mehr als ein gewöhnliches Internat sein, die den Kindern soweit dies möglich ist, das Elternhaus ersetzen soll. Es besteht die Hoffnung, daß in der Nähe des Tech» nikums durch private Initiative für das Internat ein großes Gebäude errichtet wird, das einfach, aber würdig ausgestattet, zu einer Erziehungsstätte ausgestaltet werden kann, die ohne allen Snobismus etwas von der geschlossenen traditionsstarken Erziehung geben soll, wie sie die englische public-schopl den führenden Männern de& englischen Volkes gegeben hat. Hier wird dann in seiner ganzen Einwirkung das. Erziehungsprinzip der Schule zur Verwirklichung kommen können, lebenstüchtige, willensstarke, phrasenfreie Tatmenschen zu erziehen, zu erziehen auf dem! Boden einer tief in Land •**3> und Volkstum wurzelnden hebräischen Erziehung.