Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 4 (April 1922)
- Date
- 1922-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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23 eine der wichtigsten Voraussetzungen, um den neuen Juden — den einfachen, geschlossenen und lebenstüchtigen Vollmenschen — zu ermöglichen. Es hat sich ein Verein der Freunde dieser Schule gebildet, aus dessen Bericht wir nach dieser Vorbemerkung das folgende wiedergeben:*) Schon in ihrem ersten Programm 1914 hat sich die Schule als Arbeitsschule bekannt, ehe noch dieser Schultypus die Anerkennung gefunden hatte, die er heute in der großen pädagogischen Welt genießt. Es war damals nicht der Einfluß einer Modeströmung, sondern die fundamentale Erkenntnis, daß jüdische Kinder in weitem Urnfange manueller Fähigkeiten ermangeln, die für diese künftigen Schüler des Technikums entscheidend wichtig sind' und auf JKolonisationsboden eine ganz besondere Rolle spielen. So muß frühzeitig manuelle Erziehung in Werkstätten einsetzen und auch Werkunterricht in allen realen Unterrichtsgegenständen. Mit dem Werkstättenunterricht wird! Ernst gemacht. Durch die Muninzenz einiger Freunde ist es gelungen, Werkstätten für Kartonarbeit und Buchbinderei sowie für Tischlerarbeit in beschränktem Umfang ins Leben zu rufen, eine Werkstätte für Metallarbeit gilt es noch zu schaffen. Das künftige, mit dem Beginn des neuen Schuljahrs ins Leben tretende Programm sieht zusammen mit dem aufs engste mit den Werkstätten verbundenen Zeichenunterricht zehn Wochenstunden für die Arbeit voraus. Und darüber hinaus stehen die Werkstatt ten, besetzt mit tüchtigen Handwerkern, die dort die innere Aus» stattung der Schule schaffen, den ganzen Tag dem Schüler offen. Er gewöhnt sich daran, jede freie Minute vor und nach den Ün* terrichtsstunden und seine freie Zeit überhaupt hier zu verbringen. Die Schule hat das Glück zu verzeichnen, daß diese ganze Arbeit von einem ernsten Künstler, Bildhauer und Kunstgewerbler, geleitet wird, dessen alles beherrschendes Unterrichtsziel es ist, die Kinder zur Herrschaft über den Stoff zu führen und die Arbeit den allgemeinen Unterrichtszwecken unterzuordnen. Denn nicht Handwerker gilt es ja hier zu erziehen, sondern durcn exakte Erlernung der unentbehrlichsten Handwerkstechniken dem Schüler ein neues Ausdrucksmittel für sein wissenschaftliches Denken zu geben. Ob» jekte der Arbeit werden wesentlich solche Gegenstände sein, die *) Anm.: Der TitelHes als Broschüre erschienenen Berichts lautet: Die Hebräische Realschule in Haifa. Herausgegeben vom Verein der Freunde. der Hebräischen Realschule in Haifa. Berlin, Neue Wilhelmstr. 9—11.