Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 4 (April 1922)
- Date
- 1922-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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BERICHT DER HAIFAER SCHULE. IC J. V.'er Arbeit in Palästina. Das Stück Palästina-Arbeit, über das wir im folgenden berichten, haben wir aus der Fülle des Neuen und Bedeutungsvollen, das jetzt in Palästina geschieht, nicht zufällig herausgegriffen; auch nicht nur deshalb, weil ein K. J- V.'er diese Arbeit leistet, sondern weil uns scheint, daß in ihr der Geist unserer Gemeinschaft einen idealen Ausdruck findet. Uns im K. J. V. war immer am wesentlichsten: die Heranbildung eines neuen jüdischen Menschen. Aus dem Gefühl für die Unnatur und Halbheit des Juden unserer Tage entstand unser Zionismus als Ausdruck unserer Sehnsucht nach einem Menschentum, das nichts gemein hätte mit jenem Geist, der mehr weit als tief erfaßt; mehr verwertet als Wert schafft; mehr kritisch analysiert als positiv leistet. Abkehr vom Bestehenden stand am Anfang unserer Tage, als wir erkannten, daß das gegenwärtige Bild des Judentums in Westeuropa nicht das Bild seines Wesens, sondern Verzerrung ist, von den Umständen bedingt. Und so wurden wir Zionisten, um die andersgearteten Zustände zu schaffen, die das Antlitz des Juden wieder zum reinen Ausdruck seines innersten Wesens zu machen imstande wären. Für eine in solchem Geist geleistete K. J. V.'er Arbeit gibt die hebräische Realschule in Haifa, die unter der Leitung unseres Bundesbruders Dr. Artur Biram steht, ein Musterbeispiel Auf schönem Gelände in halber Höhe des Karmels stehen drei herrliche neue Gebäude: das des Technikums, das der hebräischen Realschule und das der Werkstätten. Das Technikum selbst, das mittlere technische Kräfte für die praktische Arbeit in Palästina heranziehen soll, wird erst in naher Zukunft eröffnet werden. Aber die hebräische Realschule, deren Aufgabe die Vorbereitung für dies Technikum ist, hat seit 1913 ihre Arbeit aufgenommen. Der Bericht zeigt, wie die Zweckbestimmung der Schule und der Geist ihres Leiters sich aufs glücklichste verbunden haben.. Die Aufgabe, qualifizierte Menschen für ein Technikum vorzubilden, kann vielleicht in Deutschland erfüllen, auch wer nichts ist als ein Fachmensch. Auf palästinensischem Boden aber und bei jüdischen Menschen muß diese Aufgabe von einem lebendigem Geiste durchdrungen werden, weil sie hier nicht nur eine eminent praktische, sondern eine im höchsten Sinne geistige ist. Es handelt sich nicht nur um die technischen Notwendigkeiten, die den Menschen erfordern, der zu leisten imstande ist, was das Land verlangt, sondern wesentlicher noch um die Notwendigkeit, die psychologischen Voraussetzungen für den Typ des praktischen Arbeitsmenschen zu schaffen. Man muß das Bild des deutschen Menschen, den eine lange Geschichte zu dem exakt gründlichen Arbeiter herangezogen hat, als den wir ihn heute selbstverständlich hinnehmen, ganz vergessen, wenn man begreifen will, daß es einer besonderen sehr schwierigen Heranbildung bedarf, um den Juden, denseit langen Zeiten der Urproduktion Entwöhnten, zur sorgfältigen Hingabe an manuelle Arbeit zu erziehen. Und diese Erziehung zur sachlichen Hingegebenheit an das kleine Tun, zur Unterordnung und zur Einordnung, zur Liebe am Ding •und zur zuverlässigen Verwirklichung des täglich Notwendigen ist für uns