Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 4 (April 1922)
- Date
- 1922-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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i8' anderer Ausschnitt in derselben Betrachtung, deren Rahmen sie erweitert. Sie hat die entthronten Autoritäten nicht ersetzen, sie hat kaum einen der entstandenen von ihr mithervorgerufenen Zwei* fei und Ungewißheiten beheben können. Aber eine große Wirkung ist von den neuen Symbolen ausgegangen: im Kampfe, im Suchen, im Erlösungsdrange des Lebens entstanden, gaben sie diesem Kampfe, diesem Drange einen Inhalt sie gaben eine Utopie, ein Ziel. So erzeugten sie in den Willigen und in den Betroffenen die Stim|mung des Kampfes, die Hingabe an eine Idee, den Glauben an eine Verkündung. •Es kann nicht zur Erörterung stehen, ob dieser Kampf der gute, diese Idee die richtige, diese Verkündung die wahre ist. Vor der Erscheinung des Sozialismus stehen wir als einer solchen aus den* Bedrängnissen dieses Lebens geborenen Zielweisung, einer Verkündung an solche, die das Land der Freiheit mitf der Seele suchten. Sie ergriff die Unfreien, die der Utopie am stärksten bedürfen, und die Jungen, die Nochnichtunfreien, für welche die Verwirklichung dieser Lehre Beherrschung und Selbstgestaltung ihres Lebens bedeutet. Darum allein konnten diese großen Wirkungen von einer Parole ausgehen, weil sie, die Idee, allein imstande ist, Hingabe, Sichversenken, Preisgabe niedrigerer Interessen hervorzurufen. Die Forderung, das Leben nach einer großen, in die Zukunft weisenden Idee aus eigener Kraft, mit eigenem Bemühen, unter eigener Verantwortung tätig und bewußt zu gestalten, die Forderung, nicht der Gegenwart, ihren Nöten und Hemmungen, ihren angenehmen oder gemeinen Hindernissen zu erliegen, sondern sich über den Tag erhebend, Vollstrecker einer großen Sache zu sein — diese Forderung konnte und kann nur erhoben werden im Namen einer Idee, die so sehr und so tief in unser Leben eingreift, daß sie' jene Kräfte erweckt,- die auch die Widerstände des Moments überwinden, im Namen einer Idee, die so bedeutsam und hoch vor uns er» richtet ist, daß wir ihr nur mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzem Vermögen dienen können. Wie aber ist dieser Dienst beschaffen? Wie äußert sich.diese Hingabe und Ausführung? Die Idee fordert, daß sie zur Verkörperung gebracht, die Utopie soll realisiert, das Ziel in unserm Leben vollendet werden: Wie das jüdische Volk ersehnt, daß der