Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 4 (April 1922)
- Date
- 1922-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537768-3537772--5538-3543657- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
8 ■ / er sich bemühte, die Regierungeil mächtiger Völker für den jüdischen Anspruch zu interessieren und sich ihres Einflusses auf die türkischen Verhältnisse zu bedienen. Er erstrebte auch eine unmittelbare Einwirkung auf den Willen der Türkei, indem er einerseits auf den Nutzen einer jüdischen Besiedelung Palästinas für den türkischen Gesamtstaat hinwies, andererseits für die Anerkennung jüdischer Rechte auf Palästina den Türken jüdisches Kapital zur Verfügung zu stellen dachte. Diese Möglichkeit stand ihm bei der Begründung der Jüdischen Kolonialbank und auch des Jüdischen Nationalfonds vor Augen. (Er suchte. hier also bereits die politische Persönlichkeit des jüdischen Volkes dadurch zu betätigen, daß er es als Subjekt eines im politischen Verkehr üblichen Vorganges, eines Austauschs von Machtpositionen handeln lassen wollte). Dieses erste Aktionsprogramm zionistischer Politik führte nicht zum Ziel. Im Kampf um die Anerkennung der Persönlichkeit des jüdischen Volkes wurden wohl gelegentlich durch Erklärungen oder Handlungen von Regierungen Erfolge erzielt; aber sie waren vereinzelt und enthielten keinen allgemein gültigen Grundsatz, keinen konstitutiven Akt. Die Bemühungen um die Anerkennung jüdischer Rechte auf Palästina blieben ergebnislos. Auch die nationale Kraftanstrengung der Juden, die sich nach der Vorstellung Herzls darin äußern sollte, daß die. Juden für die finanziellen ^Instrumente der nationalen Bewegung große Summen zur Verfügung stellten, erfolgte nicht. Es zeigte sich die Notwendigkeit, die Erkenntnis des nationalen Zusammenhanges und seiner Bedeutung unter den Juden selbst noch zu verbreiten, die Nationalisierung zu propagieren, die Voraussetzung jüdischer Politik, die sich doch auf den jüdisch-nationalen - Lebenswillen als ihr bedeutsamstes. Machtmittel stützen wollte, durch eine „Belebung der Herzen" erst zu erstreben. Eine Ablenkung der jüdischen Ansprüche auf ein Gebiet außerhalb Palästinas, das angeboten wurde, vereitelte der nationale Instinkt des Volkes, in dessen Bewußtsein Palästina einen unersetzlichen Bestandteil der nationalen Existenz bildete. Bei Herzls Tode war der Zustand der zionistischen Politik der, daß ihre Notwendigkeit erkannt war, ihre grundlegenden Probleme festgestellt und Lösungsversuche gemacht worden waren. Aber zu einer Lösung war keine der Aufgaben geführt worden.