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Der jüdische Student · 1922-04-01 · Heft 4 (April 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 4 (April 1922)
Date
1922-04-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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7 dem Begriff der Souveränität. Die Bildung eigenen Volkslebens erschien auch in einer anderen Form politischer Organisation als in der Schaffung eines souveränen Staates möglich. Die neue jüdische Politik begegnete sogleich bei ihren ersten Versuchen ganz außerordentlichen Schwierigkeiten. Das Ziel, für ein lebendes Volk Bedingungen vernünftigen Lebens zu schaffen, enthielt einen Gedanken von ursprünglicher Einfachheit. Aber seine Verwirklichung war durch die zahlreichen und außerordentlich starken Unregelmäßigkeiten und Verkümmerungen belastet, welche die geschichtliche Entwicklung in der Struktur des jüdischen Volkes bewirkt hatte. Sie waren so bedeutend, daß auch die fundamentale Voraussetzung für den Anspruch der jüdischen Politik zunächst nachzuweisen, ja, daß das Gelingen dieses Nachweises bereits als eine entscheidende Änderung der Stellung der Juden in der politischen Betrachtung zu bewerten war: die Juden mußten zunächst als Volk, als Gruppe, die in die Gemeinschaft der Völker gehörte, als politische Persönlichkeit anerkannt werden. Diese Anerkennung war so wenig selbstverständlich, daß sie sogar von Teilen des Judentums selbst bestritten wurde. Es gab nur ein Mittel, um sie zu erlangen: die Lebendigkeit und den Lebenswillen des jüdischen Volkes zu zeigen. Herzl faßte diesen nationalen Lebenswil» len?in ein Gefäß und gab ihm so die Möglichkeit, sichtbar und gesammelt zu wirken. Er schuf die zionistische Organisation und ihr höchstes Organ, den Kongreß, welcher den Volkswillen deutlich repräsentierte und schon nach Art eines in der politischen Organisation der Völker üblichen Organs wirkte. Der Manifestation des nationalen Lebenswillens diente auch der Herzliche Ge* danke, daß eines der stärksten Mittel jüdischer Politik die öffentliche Diskussion der Judenfrage sei, die den Willen und die Notwendigkeit eines eigenen Lebens des jüdischen Volkes zeigen würde. Aus der Anerkennung des jüdischen Volksgedankens ergab sich sogleich der notwendige Anspruch dieses Volkes, sein Leben durch die Möglichkeit der Existenz in einem eigenen Lande zu sichern. Daher war die Propaganda für die Anerkennung des jüdischen Volkes notwendig mit dieser Forderung verbunden. Sie wurde naturgemäß in erster Linie an diejenige Macht gerichtet, welche die Verfügungsgewalt über das Land besaß. Herzl suchte die Hai« tung der Türkei in mittelbarer Weise dadurch zu bestimmen, daß

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