Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 4 (April 1922)
- Date
- 1922-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537768-3537772--5539-3543658- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nach Herzls Tode wurde das System der zionistischen Politik in einer Beziehung verändert. Die zionistische Organisation faßte den JEhtschluß, für die Bildung der jüdischen Heimstätte in Palästina eine neue Kraftquelle durch Verstärkung der jüdischen Kolonisation im Lande selbst zu schaffen. Herzl hatte diesen Gedanken abgelehnt, weil er zunächst die Garantie einer programmatischen Anerkennung des jüdischen Anspruchs verlangte, die er in verhältnismäßig kurzer Zeit zu erreichen dachte. Jetzt, wo man sich auf eine allmähliche Entwicklung einrichtete, war dieser Weg ^nicht zu entbehren, der die politische Bedeutung der Juden in Palästina „langsam, aber in starker Weise fördern konnte. Der Ver« such wurde mit nicht sehr bedeutenden Mitteln begonnen, er hatte auch noch keine genügende Zeit, sich auszuwirken, als der Krieg begann, und dlamRt die politischen Zustände und Probleme des nahen Orients allgemein zur Diskussion und Nachprüfung gestellt wurden. Die palästinensische Frage wurde, wie bekannt ist, zunächst von der englischen Regierung durch die Ralfour-Deklaration vom 2. November 1917 dahin beantwortet, daß in Palästina eine nationale Heimstätte für das jüdische Volk zu schaffen sei. Dieser Erklärung schlössen sich andere Mächte an, und am 20. April 1920 wurde in der Konferenz von San Remo ihre Aufnahme in den Friedensvertrag von Sevres beschlossen, der für die Verwaltung Palästinas ein englisches Mandat vorsah. Der Entwurf des Palästina- Mandats, welcher die Aufgaben der Mandatarmacht feststellt, enthält die Formel der Ralfour-Deklaration. Er ist von den Hauptmächten bereits genehmigt, und1 es kann damit gerechnet werden, daß nunmehr in kurzer Zeit die formelle Erledigung durch den Völkerbund stattfindet, die bisher imlmer noch aufgeschoben wurde, weil die Bestätigung der Mandate durch den Völkerbund im allgemeinen auf unvorhergesehene — mit dem Palästina-Mandat nicht zusammenhängende — Schwierigkeiten stieß. Diese Ergebnisse, die als feststehend angenommen werden können, bedeuten, daß es der zionistischen Politik gelungen ist, über die Problemstellung hinaus zu positiven Erfolgen von außerordentlicher Redeutung zu kommen. Ihre ersten und grundlegenden Aufgaben sind gelöst. Das jüdische Volk und sein Anspruch auf die-Regründung einer nationalen Heimstätte in Palästina sind