Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 3 (April 1922)
- Date
- 1922-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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120 Vom Präsidium III. Im Jahre 1913 schrieb Henryk Cohn im J.St. über den hier behandelten Zweig der KJ.V.-Erziehung, daß er seinen tiefsten Tiefstand errreicht habe. Er konnte die heutige Entwicklung nicht voraussehen. Heute wird, soweit ich davon Kenntnis habe, in vielen Verbindungen Oberhaupt kein K.J.V.-UnterFicht erteilt. Wo es geschieht, wird teils nur K.J.V.-Geschichte, teils ein nach dem freien Belieben der Kursleiter gewählter Stoff vermittelt. So konnte es dahin kommen, daß der Leiter eines K.J.V.-Kufses aus Dostojewski vorlas und über den Sinn der Gotik sprach, ein anderer sich weise darauf beschränkte, nur die Statuten, die aber gründlich (ohne Auslassung eines Paragraphen) seinen aufmerksamen Zuhörern vorzulesen. Anderswo werden die oben angegebenen Themen ziemlich wahllos an Abenden vom Kursleiter zur Diskussion gestellt. Selten wird der Kurs in der allein anzuempfehlenden Art und Weise, in fester Systematik und Selbstzucht des Leiters, nach genauer Disposition gegeben, wobei eine uferlose Diskussion vermieden wird. Weiter ist es heute mit einigen Schwierigkeiten verbunden, sich auch nur einen Uebcrblick über die K.J.V.-Geschichte (die des B.J.C. und K.Z.V. ist natürlich immer einbegriffen) zu verschaffen, denn eine Darstellung derselben ist zwar seit Jahren angekündigt, aber wohl für absehbare Zeit noch nicht zu erwarten. So bleibt zur Information des Kursleiters, soweit er nicht aus eigenem Erleben berichten kann, nur Lektüre der alten J.St.en. Wenige werden sich dieser Arbeit unterziehen. Der Zweck dieser Zeilen ist, auf diesen wichtigen Erziehungszweig der mit der Zeit gänzlich zu verschwinden droht, hinzuweisen, seinen Gegenstand und die Methode klarzustellen und Bundesbrüder anzuregen, sich seiner wie auch der K.J.V.-Geschichte anzunehmen, an deren Herausgabe endlich einmal im Ernst geschritten werden möge. Daß für die Erziehung im KJ.V. ein K.J.V.-Unterricht notwendig ist, hoffe ich dargelegt zu haben und daß auch ein starkes Bedürfnis bei den jungen Bundesbrüdern nach einem derartigen Kurs besteht, bewies mir das rege Interesse, das einige Bundesbrüder einem Versuch entgegenbrachten, den ich in der angedeuteten Richtung unternahm. Vom Präsidium. Achtung! Gleichzeitig mit diesem Heft erscheint die Propagandabroschüre „Jüdische Jugend'', unter welchem Titel bereits vor zwei Jahren zwei Broschüren des K.J.V. erschienen sind. Die Broschüre wird jedoch, soweit der Versand durch das Postzeitungsamt in Frage kommt (also im Versand an die Alten Herreu und Inaktiven) aus posttechnischen Gründen unter dem Obertitel „Der Jüdische Student*' verschickt. Die Aktiven und studierenden Inaktiven erhalten die Broschüre durch ihre Verbindungen, an welche die Broschüre durch ihre Verbindungen zum Versand kommt. Außerdem erhalten sämtliche Keilleiter eine Anzahl von Broschüren zu ihrer Verfügung/ Wir bitten aus Gründen der Sparsamkeit, die Broschüre schonend zu behandeln. Nach Möglichkeit mögen Bundesbrüder ihre eignen Exemplare an Keilfüxe weitergeben. Soweit angängig, soll die Broschüre nicht verschickt, sondern verborgt werden. Uebrigbleibende Exemplare dürfen nicht verloren gehen, sondern müssen von den Keilleitern zur späteren Ver-