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Der jüdische Student · 1922-04-01 · Heft 3 (April 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 3 (April 1922)
Date
1922-04-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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K.J.V.-Lcterricht U*> nicht überflüssig, ein Wort über die Bedeutung der K.J.V.-Geschichte zu sagen, denn ich bin überzeugt, daß es sehr viele im Kartell gibt, die mir cin mitleidiges Lächeln für den haben, der sich mit ihr beschäftigt. Und gerade diese Verstündnislosigkeit, dieses Fehlen jeder Tradition, die mzz manchem wirklichen Plunder bei der Revolution über Bord geworfen wurde, macht das Leben im-Kartell, macht es dem jungen Bundesbruder so schwer. sjch in das Kartell hinein zu finden. Es ist nicht zu viel gesagt, wean man behauptet, daß man, ohne die Geschichte des K.J.V. zu kennen, gar nicht den Stand der heutigen und die weitere Entwicklung des K.J.V. verstehen kann. Das dürfte die Diskussion über Holdheims „Ketzergedankear gezeigt haben. Aufgabe des K.J.V.-Unterrichis ist, das Interesse für dte viesciiichte des Kartells — wo das nötig ist, — zu wecken und sie lebendig als das erstellen zu lassen, was sie ist: als einen Teil der zionistische; Bewegung und unserer eigenen Entwicklung. Ein zweiter, noch wichtigerer Hauptteil des Kurses beschäftigt sich rot dem heutigen Kartell und seinem inneren Ausbau im besonderem. Hier sind nicht nur eingehend alle Institutionen. Kurse, Aufgaben, ihr Inhallt und Sinn (z. B. warum „Bursch" und „Fux", „B.C.14 und „A.C."?) zu besprechen, sondern auch die speziellen Aufgaben des Burschen im K.J.V.: /. B. Grundsätze über, die Leitung einer Verbindung, über Keilen, Propaganda, Vorbereiten von Veranstaltungen, Geselligkeit, Turn- und Sponbetrieb, Leibverhältnis. Um an einem Beispiel, das, was darunter verstanden werden soll, zu erläutern: Leibverhältnis. Unbedingte Erfordernisse: 1. ein gegenseitiges Sympathieverhältnis, 2. Ueberlegenheit und Eignung des Leibburschen, 3. Zeit. (So hat ein mir befreundeter Bundesbruder diese 3 fundamentalen Voraussetzungen formuliert.) Für alles Uebrige gebe ich nur die leitenden Gesichtspunkte in Gestaüü eines Ueberblicks: I. Geschichte des K.J.V. IL Stellung des K.J.V. in der zionistischen Bewegung, in der zionistischen, jüdischen und deutschen Studentenschaft. III. Verfassung des K.J.V. IV. Sein innerer Ausbau. V. Seine Zukunft. VI. Stellung des K.J.Vers im jüdischen Leben; VIL Im deutschem Kulturkreis. VIII. Allgemeine Fragen. Eine genaue Disposition, der ich z. T_ gefolgt bin, hat Bundesbruder Alfred Arnsdorf im 6. Heft des J.St. von' 193« -herausgegeben. Sie bietet eine gute Uebersicht, auf die ich verweisen dari. Arnsdorf schreibt dort, daß der Kurs — ich möchte hinzufügen „auch" — als Ablösung des alten Commentunterrichtes gedacht sei. Es wird sich aber auch heute noch empfehlen, einzelne Komplexe aus dem alten Commentuuterricht zu übernehmen, z. B.-die Erörterung der Satisfaktionsfrage, Jes Sinns der Formen u. a. — Der Kurs muß, wie schon oben dargelegt, dir Arbeit, die der Bursch zu leisten hat, vorbereiten, eine Vorbereitung, deren Fehlen schon viel zum Mißlingen mancher Veranstaltungen und. ganzer Setnester beigetragen hat. Was die Stellung des Einzelnen im Kartell betrifft, so kann Im Kurse nur Richtung und W eg gewiesen, nur eine Grundlage gegeben werden, auf der sich der einzelne seine Stellung doch erst selbst schaffen muß, — das aber ist erforderlich und genügt. Die Entwicklung des einzelnen wird nicht ..antieipiert", sonder nur versucht, ihr die gröbsten Hindernisse aus dem Wege zu räumen. Der Kurs stellt hohe Anforderungen an seinen Leiter. Dieser muß vor ^Jlem „unentwegt" im Kartell stehen und über möglichst reichhaltige eigene Erfahrungen verfügen. Aus diesem Grunde kommen eigentlich nur ältere ttimdesbrüder und besonders wegen ihrer Kenntnis der K.J.V.-Geschichte utc Herren in Betracht. Kein anderer Kurs gibt so dem Kursleiter die Möglichkeit menschlich und erzieherisch einzuwirken, kein anderer erfordert freilich auch so den Einsatz der ganzen Persönlichkeit und Liebe 'ur Sache wie dieser. Im Mittelpunkt Hes ganzen Kurses steht der K.J.Ver ■:;J das Kartell. Das wesentlichste ist der Geist, in dem der Kurs gegeben ■y«rd. Aussehend von der zu Beginn dargelegten Grundeinstelhmg muß. de; *ursleiter Achtung, Stolz und Liebe für das Kartell zu vermitteln und ^inen Hörern zu zeigen suchen, daß es sich lohnt, für ihre Gemeinschaft wirken, sie auszugestalten, daß die Geschichte des K.J.V. eine Verrichtung für die Gegenwärtigen bedeutet. Das ist das Nötigste.

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