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Der jüdische Student · 1922-04-01 · Heft 3 (April 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 3 (April 1922)
Date
1922-04-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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'Kj.V.-Unterricht Zwei widerstreitende Auffassungen sind heute tatsächlich von Bedeutung- Die eine, die im Kartell hervorragend eine Organisation zur l\~ ledigung technischer Arbeiten, ein Institut zur Vermittlung zionistischer un.i jüdischer Kenntnisse, die andere, — die in ihm mehr sieht. Die erster bedeutet z. B. eine Reaktion auf die in früheren Zeiten etwa bestehende Ueberschätzung des Wertes der Korporation, ihrer Formen und Inhaltbisweilen verbunden mit radikal zionistischer Einstellung. Diese Richtiur' negiert meist das Innenleben des Kartells, wobei oft bewußt oder unbewußt aus der Not eine Tugend gemacht wird. („Wir haben uns de;: L u x u s der Bundesbrüderlichkeit nie geleistet/" Rosenberg in seinem sonst ganz ausgezeichneten Aufsatz im J.St. 1921, Heft 3.) Diese Auffassung erscheint verfehlt von jedem Standpunkt aus. Hier zeigt sich ein Teil jeuet Nüchternheit, die Weizmann erschreckte. Die überwiegende Mehrheit des ,Kartells gehört dieser Richtung jedoch nicht an. Die Vertreter der andere; Auffassung sind nach wie vor der Meinung, daß es gar nicht möglich ist. unter derartigen 'Gesichtspunkten eine so große Gemeinschaft wie das KJ.V. zusammenzufassen und zu halten, sondern daß auch im Galuth erfolgreich, unermüdet und geschlossen nur ein Kartell arbeiten könne, dessen Angehörigen ihre Gemeinschaft etwas bedeutet, die im Kartell wirken, weil „ihm ihre Liebe gehört und sie in ihm ihre jüdische Heimat.haben4' (Blumenfeld, Frankfurter K.T.). Sie glauben, daß, selbst wenn es möglich wäre, die Bestrebungen der anderen Rihtung zu verwirklichen, es sich um der Vermittelung wissensmäßiger Kenntnisse und der Erledigung technischer Arbeiten willen nicht lohne, eine Organisation wie das KJ.V. mit solchen» Autwand an Zeit und Kraft zu erhalten, sind aber davon überzeugt, da!; ein KJ.V. ihrer Auffassung eine unbedingte Notwendigkeit sei, da nur ein solches nach innen seinen Mitgliedern den so nötigen Schwung zur Arbeit geben und sie zusammenschließen, nach außen Werbe- und Stoßkraft haben und so die Aufgaben erfüllen könne, die ihm gestellt wird. Keine von beiden Auffassungen ist neu. Es war aber nötig, sie einmal einander klar gegenüber zu stellen und der letzteren entschieden beizutreten, da, abgesehen von allen sonstigen, hier nicht zu erörternden Folgerungen nur von dieser Grundeinstellung aus ein K.J.V.-Unterricht begriffen werden kann, wie er hier verlangt wird. IL Eine Erfahrung, die jeder, der mit offenen Augen zusieht, immer wieder machen muß, ist die, wie schwer es dem neu eintretenden Bundesbrudc wird, sich in das Kartell hineinzufinden, seine Stellung innerhalb desselben festzulegen, sich mit den gegebenen Verhältnissen irgendwie abzufinden, den Sinn und die Aufgaben des Kartells zu erfassen, was^ihm ohne Hiiv nur langsam und schwer, oft auch gar nicht gelingen kann. Die Unzufriedenheit und der Austritt vieler hat hierin seine Ursache. Es wäre seh' schön, wenn hier die Leibburschen abhelfen könnten; diese Lösung scheiter; aber generell an der bekannten Qualität vieler Leibverhältnisse. Wohl abcgibt es in jeder Verbindung mindestens einen, der der Fuxenkorona über die sie am meisten beschäftigenden Fragen, (die gewöhnlich in der Verbindung überhaupt nicht diskutiert werden. Die Füxe, welche die Hoki heim-Debatten miterlebten, hatten es gut) über das Kartell und seine Abgaben und vieles andere Aufschluß geben, mit einem Wort:' sie zu KJ.\e.-" erziehen kann. Hier ist Stellung und Aufgabe des KJ.V.-Unterrichts. Hie: hat die so ersehnte und nötige Erziehung praktisch die Möglichkeit einzusetzen. Zwar müssen auch alle anderen Kurse erzieherisch wirken, können daher nicht durch ander weite Kenntnisse ersetzt werden, — durch ü Art und Weise ,wie sie gegeben, wie der Stoff verarbeitet und vorgetragen wird, aber die Grundeinstellung und Heranbildung, auf der erst allcv Weitere sich aufbauen kann, hat der KJ.V.-Unterricht,' in dieser n:-"- sicht also der wichtigste Kurs, zu geben. Er muß das vermitteln, was KJ.V. selbst zu geben hat. Das ist zunächst seine Geschichte, fj wichtiger, unentbehrlicher Bestandteil des KJ.V.-Unterrichts. Es. ersener

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