Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 3 (April 1922)
- Date
- 1922-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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I16 K. J. V. und!ucrendbevve:ruri(r innerlich dein K.C.-Gedanken entfremdet w orden. Und noch mehr. Es gibt Kameraden, die Zivilisten wurden, namhafte Kührer. es gibt Treffahrten zwischen Blau\veii-:-:i und Kameraden und ich glaube, daß die Kameraden, die zahlenmäßig und organisatorisch stark und gut sind (siehe auch ihre Zeitung), in einigen Jahren der stärkste Faktor in der national-jüdischen Jugendbewegung in Deutschland sein werden. Ich sage dies auf die Gefahr hin, daß K.C.er. Zentralvereinler und Naumannianer diese' Zeilen lesen werden: denn sie werden es nicht hindern können. IV. Zwischen Blauweiß und Kameraden steht der J u n g j ü d i s c h e W a nd erb und und mit ihm eine Reihe von kleinen Gruppen, die sich zum Teil von ihm losgetrennt haben, zum Teil mit ähnlicher Tendenz gegründet wurden.' Das Stigma dieser Mittelgruppe ist: ihre Organisation ist schlecht. Das liegt an vielen Gründen. Der „Jnjüwabu" entstand vor etwa 2 Jahren als elementare Reaktion auf die Vereinsmeierei im neutralen Jugend verband. In echtester Jugendlichkeit empörten sich die besten seiner Menschen, zumeist junge Kautieute, gegen den „Materialismus** und „Kapitalismus** usw. ihres Millieus, und zwar fast gleichzeitig in Nord- und Süddeutschland, gründeten hieV einen „Tatenbund", dort Wandergruppen, ballten sich zusammen als besondere Organisationen innerhalb des Verbandes, nahmen aber das „neutrale Judentum** mit hinüber. Von Anfang an war der größte Mißstand in diesem Bund das absolute Fehlen eines Führers.. Statt dessen gab es lauter kleine Leute. Einige stark Geistige waren keine Persönlichkeiten, andere, die starke Persönlichkeiten waren, waren geistig zu unfähig, um sich lange halten zu können. Einige wenige K.J.V.er, die mitarbeiteten, waren entweder eben so wenig Persönlichkeiten oder sie hielten sich sehr reserviert. Das Interessanteste in der Entwicklung des Jung-jüdischen Wanderbundes, der einen Mögen Dovid in seiner Bundesn'adel führt, war der Exodus der national-jüdisch Gesinnten auf dem letzten Bundestag im August vorigen Jahres, als die Mehrheit „neutral** bleiben wollte. Dieser Exodus war, politisch genommen, falsch, indem die Entwicklung des Bundes mit Gewalt gemacht werden sollte (die K.J.V.er machten ihn nicht mit). Aber es konnte nicht anders sein, weil den „Führern" die Möglichkeit fehlte, über den Moment hinauszudenken. Seitdem hat sich die „Jungjüdische Schar'", die abgetrennten National-jüdischen in Darmstadt, Frankfurt a. M. und Berlin in ihrer alten Stärke erhalten und arbeitet in musterhafter Weise durchaus zionistisch, die anderen Wanderbündler dagegen sind schlecht aus Führermangel. Ihre Zeitung ..'Der Jungjüdische Wanderer", steht-auf dem Niveau der Blauweißblätter von 1914. Einige Gruppen haben sich inzwischen noch abgespalten. Trotzdem fand der Bund "die Kraft, sich organisatorisch vom neutralen Jugendverband zu trennen, und ist keineswegs tot. wie manche glauben. Dieser neutrale Verband, um es kujz zu erwähnen, ist wertvoller, als man glaubt, vor allem für die kleinen und Mittelstädte. Von dem starken jüdischen Leben, das im Verlaufe der Kerenhajessod-Aktion hervorgerufen wurde ist er stark befruchtet worden und stellt ein erhebliches Wachsturn seiner Leute und vor allem die Gründung neuer Jugendvereine in kleineu Provinzorten fest. V, Ich schätze, daß der Blauweiß heute etwa 3000, der Jungjüdische Wanderbund und die Jungjüdische Schar zusammen etwa 1000 und die Kameraden einige Tausend Mitglieder haben. Im ganzen stehen wohl fast 10 000 junge Menschen in der jüdischen Jugendbewegung. Sie alle kennzeichnet, wie bekannt, Wandern, Heimabende und ein bestimmter Iebensreformerischer Zug. Diese Dinge stellen sie mit in die Reihe der deutschen Jugendbewegung. (Die davon verschiedene neue Nuance des Blauweiß, das Boyscouttum, ist heute noch nichts mehr als ein temporärer Wunsch einzelner Führer.) Aber der innere Gegensatz der deutschen Jugend zu der unsrigen, der sich insbesondere in der fast überall erfolgten Ausscheidung unserer Bünde