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Der jüdische Student · 1922-04-01 · Heft 3 (April 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 3 (April 1922)
Date
1922-04-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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K. J. V. und Jugendbewegung H5 II. Wie notwendig die jüdische Jugend Deutschlands die gut disziplinierten, jüdisch gebildeten, politisch gewandten K.J.V.er als Mitarbeiter gebraucht, möge an einer kurzen skizzenhaften Schilderung der Entwicklung und des Zustandes der jüdischen Jugendbewegung Deutschlands gezeigt werden, v, k>- bei ich die inneren Motive (Erschütterung durch Krieg und Re\uiu-iou. Beeinflussung durch die jüdischen Organisationen, geistige und materielle Nut) nicht untersuchen will. Ich setze dabei voraus, daß man weiß, was Blauweiß, Jung-jüdischer YVanderbund, Kameraden bedeuten. Kurz nach dem Kriege kannten wir als eigentlichen Jugendblind mit eigenem Leben nur den B 1 a u w e i ß. Trotz seiner auch vom offiziellen Zionismus durchaus verschiedenen eigenen Entwicklung lehnte sich dieser — das ist meine persönliche Ansiciit — sehr stark, wenn auch wohl unbewußt, an die Entwicklung der deutschen Jugend an. Das gilt auch von der starken Strömung, die die Jungens zur Landwirtschaft trieb, zeigt sich besonders aber an den Bestrebungen kultureller Art, wie der Pflege von Volkstanz und Handfertigkeit, die zugleich eine große Schwäche des Bundes bedeutete. Die Schwäche war so groß, daß auf dem Bundestag im Sachsenheim, als der Achusah-Gedanke in den Blauweiß hineingetragen wurde, man diesen Gedanken gewissermaßen als Rettung zum Zionismus aufnahm," ohne zu bedenken, daß durch diese Verknüpfung mit der „Bourgeoisie'* das besondere Jugendliche aufgegeben werden mußte. Seitdem geht im Blau weiß ein Ringen zwischen einer materialistischen Auffassung des Zionismus und echtester Jugendlichkeit. Der Bund ist heute durchaus uneinheitlich, zum Teil innerlich ungeheuer stark und von rechtem Chauzgeist erfüllt, zum Teil so schwach, daß die kleinen Bünde aus Führermangel kaputt gehen. Bei der ganzen Entwicklung des Blauweiß darf nicht vergessen werden, daß die alten Blauweißführer, deren Erziehung außerhalb des Bundes zum Teil untei Ueberwindung stärkster Lebenswiderstände vor sich gegangen war, fast alle ausgeschieden sind und daß die jetzt führenden Menschen außer ganz wenigen aus dem Bunde selber stammen und oft nie im Leben jene Probleme kennen gelernt haben, die jedem jungen Menschen unseres Milieus, der nur auf Erziehung von Eltern und Schule angewiesen ist, zuteil werden. Diese Darstellung des Blauweiß ist zwar sehr subjektiv und wird vom offiziellen Blauweiß vermutlich als absolut blöde gekennzeichnet werden, sie ist aber ein Versuch, der sich vor allern frei halten wollte von der üblichen Art .der Betrachtung: K.J.V. und Blauweiß. Und hierbei zeigt sich, daß der Blau weiß durchaus ohne K.J.V. auskommen könnte, wenn das eine gewährleistet wäre: daß genügend sichere, «eben'skuudige Menschen als Führer vorhanden sind. Es ist die große Frage, ob das K.J.V. solche Menschen stellen kann, die zugleich sich in die durchaus eigentümliche Entwicklung des Blauweiß werden einleben können. Es genügt nicht dazu, jugendlich, Zionist und lebenskundig zu sein, sondern man muß den Anschluß finden können an die lebendige Entwicklung jenes Kreises. III. Wie es scheint, stehen die Kameraden dem Blau weiß diametral gegenüber. Sie sind einmal vom Zentralverein oder doch von einer ihm nahestehenden Seite offiziell als Gegenbewegtmg zum Blauweiß gegründet worden. Aber das war wie mit dem Zauberlehrling: „Die Geister, die ich rief, die werd' ich nun nicht los!*' Beschworen wurde der Geist der Jugend, der Geist des frischen Lebens, der Geist des Judentums. Dieser letzte kam zunächst zwar nur als Torso — er hatte nur ein Bein zum Stehen, nämlich die „Religion1'. Aber da ihm bald die anderen beiden Geister zur Hilfe kamen, wuchsen die fehlenden Glieder nach und heute, spukt im Kameradeubund ein leibhaftiges ..positives", „kulturelles** usw. Judentum. Und so ist es gekommen: Die Kameraden leisten uns heute den wichtigsten Dienst, sie schulen einen bedeutenden Teil der assimilantischen Jugend für eine jüdische Auffassung, die von nationaler nur durch den Namen verschieden ist. Dieser Prozeß ist noch nicht zu Ende. Aber der K.C. hat ihn zu spüren bekommen: Jenn die von ihm gestellten Führer sind zum Teil hinausgeflogen, zum Teil

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