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Der jüdische Student · 1922-04-01 · Heft 3 (April 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 3 (April 1922)
Date
1922-04-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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110 regen. Ist dieses Leben zu spüren, so darf man daraus schließen, daß auch der Geist lebendig: ist. Lebt aber dieser Geist, werden unsere Junten auch heute noch von der „ganzen Glut der zionistischen Flamme" ergriffen, dann besteht nicht die Sorge, daß ein Programm langdauernder Pflichterfüllung nicht mit dem Wesen einer Jugendbewegung vereinbar wäre. Dann wird man in ihm nicht ein leeres, alltägliches Gegenwartsprogramm empfinden. Dann wird mau in jeder neuen, kleinen Tat den Ausdruck des großen, beherrschenden, erfüllenden Gedankens fühlen. Es ist nicht nötig, mehr darüber zu sagen. Auch Holdheim weiß, daß „der Trabant der zionistischen Flamme bleiben muß, dem einmal die große Offenbarung der zionistischen Idee geworden ist4'. Dürfen wir also davon ausgehen, daß der Zionismus in den jungen Gene1 rationen des K.J.V. nicht notwendig schlechter ist, als er in den älteren — seien wir vorsichtig bei dem Vergleich von Alt und Jung — früher war, dann soll man sich auch nicht gegen „-Maximalforderungen'4 wenden, die unwahrhaftig seien, und Minimalforderungen, einem reduzierten Zionismus entsprechend, proklamieren. Kann dieser Gegensatz für das K.J.V." gelten? Selbst wenn es ihn gäbe, wäre man vielleicht berechtigt, zu sagen, daß das K.J.V. die Pflicht habe, seinen Angehörigen die ganze Größe der zionistischen Forderung vor Augen zu stellen, zu kämpfen gegen zionistische Bescheidenheit in dem Sinne, daß man sich bescheidet, sich begnügt mit dem, „was erreichbar ist". Aber die Forderungen, die das, Kartell für seine Arbeit aufzustellen hat, vertragen diese Unterscheidung nicht. Es gibt für uns nur einen Maßstab: %die Forderungen der zionistischen Situation zu erkennen und uns nach ihnen zu richten. Wir sollen sie gewiß klar und nüchtern beurteilen, aber wie dürfen uns ihnen nicht entziehen, wenn wir sie in dieser ruhigen Beurteilung als notwendig festgestellt haben. Wenn wir darauf verzichten, die Arbeit des K.J.V. nach den Forderungen des . Zionismus einzurichten, wenn wir uns von vornherein verständigen, daß unseren persönlichen, menschlichen Beschaffenheiten Grenzen zu entnehmen seien, hinter denen die Auseinandersetzung mit der zionistischen Forderung nicht mehr in Betracht komme, dann existiert das K.JV. nicht mehr als ein Bund, dessen Ziel ist, lebendigen, echten, ganzen zionistischen Geist darzustellen und durchzusetzen. Dann werden auch wir eine Gruppe von Sympathisierenden, Keren riaiessod-Publikum. das sich mit der Unterstützung der zionistischen Forderung abrindet, das zwar „die Berechtigung nicht verkennt und zur Mitarbeit am großen Werke gern bereit ist", aber doch nur einen Teil der Forderung als seine Aufgabe empfindet. Man kann also, wenn man die Forderungen des Kartells prüft, nur darauf sehen, ob sie aus richtigem Verständnis der zionistischen Situation abzuleiten sind. In dieser Beziehung hat noch keiner der Opponenten eine Einwendung erhoben. Die zionistische Situation fordert, wie wir noch immer glauben, von K.J.V.ern % 'heute, vor allem andern, drei Dinge; daß sie in der Wahl ihres Berufes und in ihrer Ausbildung die Möglichkeit einer Uebersiedluug nach Palästina, oder, weiter ausgedrückt, einer stärkeren beruflichen Verknüpfung mit jüdischem Leben in Betracht ziehen, daß sie hebräisch lernen und daß sie an der schweren Aufgabe der zionistischen Organisation durch Arbeit und Verständnis mithelfen. Wenn diese Forderungen der zionistischen Situation entsprechen, hat das K.J.V. in ihnen Ziele seiner Erziehung zu sehen. Man kann diese Ziele nicht dadurch widerlegen, daß man sie falsch darstellt. Soll man sich überhaupt gegen .eine Darstellung der hebräischen Forderung wenden, wie sie Mayer gibt, die darauf hinausläuft, daß vom Präsidium als ein in absehbarer Zeit zu erreichendes Ziel Hebräisch als Umgangssprache der K.J.Ver verlangt worden sei? Ist es notwendig, durch Widerlegung solcher Darstellungen, die erstens notwendige, zweitens aber durchaus erreichbare Forderung zu verteidigen, daß die Bundesbrüder sich hebräische Kenntnisse erwerben, um im Zionismus überhaupt mitlebeit zu können was bei der zweifellos immer stärkeren hebräischen Entwicklung des Zionismus schon in naher Zukunft ohne hebräische Kenntnisse

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