Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 2 (März 1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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¥)as hebräische Gymnasium in Wirballen. 83 meisten. Hierbei geht Praxis und Theorie Hand in Hand. Wer sieh jedoch die Finger gar nicht schmutzig machen will, der kann immer noch Landmesser oder Zeichner oder was weiß ich werden. Aber das sollte natürlich nicht die Berufswahl entscheiden. Ich will hier nicht von rein handwerklichen Berufen sprechen, nur weil ich zu immerhin schon reiferen und älteren K. J. V. ern spreche*. Jeder handwerkliche Beruf verlangt jahrelange körperliche Gewöhnung und theoretische Ausbildung. Darum halte ich allerdings auch Vollhandwerker, sofern sie ihre geistige Schulung nicht vergessen, für die leistungsfähigsten Menschen für Palästina. 2. Zur Berufsausbildung: Wer zwischen Hochschule und Technikum zu wählen hat, wähle das Technikum — das sei Grundregel. Man soll seine Ausbildung nicht überhasten; denn schnell gelernt, ist schnell vergessen. Das gilt am meisten von jeder technischen Gewöhnung. 3. Lehrkurse: In Westfalen ist ein Lehrkurs im Werden, wo 30 Arbeiter, die jetzt ungelernt als Handlanger auf dem Bau arbeiten, in einem halbjährlichen praktischen und theoretischen Kurs zu Maurern ausgebildet werden sollen. Die Kostenfrage ist gelöst. Es fehlt, soviel ich weiß, nur noch ein tüchtiger Fachlehrer. Ich führe dies als Beispiel an, weil man viel daraus lernen kann, und ich möchte, daß unsere technischen Bundesbrüder, insbesondere die schon fertigen Ingenieure, solche Kurse projektierten und unterstützten. Das prinzipielle daran ist, daß aus ungelernten Arbeitern qualifizierte Facharbeiter werden. Ausbildung! 4. Organisation: Es gibt in Deutschland sehr viele einzelne technische Praktikanten, die in ihrer Vereinzelung leiden. Es gibt aber auch Techniker und Ingenieure, die in ihrer Vereinzelung leiden. Ich will nicht untersuchen, ob nicht den Verband der Ingenieure eine große Schuld trifft, oder ob das absolut mangelnde Verständnis unseres Kartells für technische Fragen und ihre Bedeutung für Palästina bisher das bescheidenste Techniker-Referat auf einem Kartelltag verhindert hat. Das ist die Aufgabe des Technischen Chaluzamtes, hierfür das Verständnis zu wecken. Wir brauchen technisch ausgebildete Menschen für Palästina. Wir wollen Chaluzim sein. Daraus ergibt sich die Aufgabe. Das hebräische Gymnasium in Wirballen. Von Samuel Sambursky - Wirballen (V. J. St. Königsberg i. a. B.) In wenigen Wochen feiert Litauen den vierten Jahrestag seiner politischen Unabhängigkeit. Für das litauische Judentum ist dieses Datum in der Geschichte seines Wirtsvolkes von besonderer Bedeutung: ist es doch als Geburtsstunde der nationalen Autonomie anzusehen, deren das jüdische Volk als nationale Minderheit in Litauen zuteil geworden ist. Man mag prinzipiell zu der Autonomiefrage stehen wie man will — selbst diejenigen, die die Autonomie als ein Danaergeschenk betrachten, werden zugeben, daß sie gerade in Litauen — dem einzigen Lande, in dem wir bisher de facto die Autonomie besitzen — eine der bedeutsamsten und erfreulichsten Erscheinungen auf jüdisch-kulturellem Gebiete gezeitigt hat: das hebräische Schulwerk. Es ist eine traurige, nicht hinwegzuleugnende Tatsache, daß die zionistische öffentlichkeit in Deutschland für die kulturellen Probleme, des Judentums im benachbarten Litauen herzlich wenig Interesse zeigt. Wie oft hat man sich z. B. in den drei Jahren des Bestehens hebräischer Gymnasien in Litauen in unseren Zeitschriften und in der „Jüdischen Rundschau" mit der Frage der hebräischen Schule im Galuth und den damit zusammenhängenden Problemen beschäftigt? Es sind ja in diesen drei Jahren kaum ein paar notdürftig orientierende Artikel über