Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 2 (März 1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Technische Chaluziuth. 81 wo der ganze Mensch für die Idee gefordert wird, kann man Erfolge sehen. Unsere Bewegung kann nur Menschen vertragen, die sich mit ungehemmter Leidenschaft den nationalen Zielen widmen. Ueberau dort, wo man sich „begnügt" hat, haben wir mit absoluter Sicherheit ein Fiasko erlitten und recht unerfreuliche Dinge erlebt. „Gemäßigte" Zionisten braucht man nicht erst zu schaffen, die entwickeln sich von selbst; deutlicher als es unser Altherren-Problem zeigt, kann man es nicht - beweisen. Technische Chaluziuth. i. Von Alfred Berliner- Berlin (V. J. St. Bikurah-Hannover A. H.) Keine allzu große Schar von jungen deutschen Zionisten hat die Forderung des Pioniertums für Palästina zur Wirklichkeit gemacht. Der Anteil unseres Karteils hierbei ist verhältnismäßig klein, sofern man nicht die erzieherische Wirkung berücksichtigt, die in den verschiedensten Formen von den Einzelnen wie von der Gesamtheit des Kartells auf die jüdische Jugend ausgeübt wird. Voraussetzung der Chaluziuth ist die opferbereite Gesinnung für Erez Israel. Ich bin Optimist genug, zu glauben, daß sie in einem größeren Kreise von Menschen lebt, als alle bitteren Klagen und mehr noch als das Phrasenheidentum vermuten läßt, das alle Wahrheiten zu Schlagworten vermießt. Denn dafür habe ich einen Maßstab, den nämlich, daß das echte Pioniertum schon mit der Ausbildung im Galuth beginnt. Und es gibt innerhalb und außerhalb unseres Kreises solche Menschen. Es ist nicht meine Absicht, die Frage der Berufsumschichtung für unsere Bundesbrüder zu' untersuchen, die in einem Berufe stehen, der „nicht nach Palästina hinführt". Denn es handelt sich mir nicht um die Frage, wie wir nach Palästina hinkommen, was noch lange nicht Chaluziuth .bedeutet. Sondern ich werfe die Frage auf, wie sind wir, wie werden wir Chaluzim, Pioniere. Wobei einer ein vollwertiger Chaluz sein kann, ohne daß er nach Palästina geht, wobei einer seines ganzen Lebens Leistung der Erlösung des Landes widmen kann, ohne es je zu betreten. Gibt es nicht viele Bundesbrüder, die in stärkster Ergriffenheit unserer Idee unermüdlich im Dienste des Volkes stehen und dennoch als tiefsten Schmerz ihres Lebens erleiden, daß sie nicht hinüber können. Und ich meine das so, wie uns Walter Preuß zurief, als wir ihn zum Abschied nach Palästina feierten: Viele jüdische Positionen im Galuth drohen uns verloren zu gehen, weil die Besten von uns' nach Palästina gehen. Manche harren aus und bleiben auf ihrem Posten hier und leisten weiter den Dienst am Volke. Die meine ich. Und so stelle ich meine Frage noch einmal, wie sind wir Chaluzim, wie leisten wir das Meiste und das Beste unseres Lebens für Erez Israel? — Es gibt viele Antworten, für jeden von uns eine andere. Aber eine Grundforderung gilt für alle: Wir müssen die stärksten und besten Kräfte unseres Körpers und unserer Seele erkennen und nützen und ausbilden. Ausbildung! Hier liegt scheinbar die größte Gefahr. Unser Standpunkt sei der unserer Menschen, und nicht der Palästinas,, kann man sagen. Denn wenn wir von der Eignung unserer Menschen für einen Beruf ausgehen 'und nicht von den Notwendigkeiten Palästinas, so bedeutet doch das wiederum die alte Bevorzugung weniger intellektueller