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Der jüdische Student · 1922-03-01 · Heft 2 (März 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 2 (März 1922)
Date
1922-03-01
Page
[Seite] (sequence 32)
Language
German
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ßO Zur „Sprengung des akademischen Rahmens". Unsere Erziehungstendenz schränkt in keiner Weise die sportliehen Leistungen auch nur im geringsten ein: Gerade im letzten S. S. war es die zunächstliegende Aufgabe, einen guten Durchschnitt auszubilden. Es wäre eine Kleinigkeit gewesen, die guten, sportlich veranlagten Ruderer in Boote zu setzen und durch eifriges Training ihre Leistungen, zu steigern*). Solche Früchte pflegen einem sehr leicht in den Schoß;zii fallen. — Es bleibt die Hauptfrage, die das Kartell am meisten interessiert: Welche Erfahrungen machten wir mit den Nichtakademikern, die nach jder Fusion eingetreten sind? D. h. also mit den jungen Menschen, die schon unsere K. J. V.-Erziehung genossen haben. Diese Frage behandelt Schwabe nebensächlich und sagt nur, „daß sie sich seiner Beurteilung entziehe". Für - das K. J. V. ist das gerade das wichtigste. Es handelt sich um ungefähr 10 Bundesbrüder. Einige bewähren sich recht befriedigend. Die meisten stoßen leider trotz des besten Willens auf ungeheure zeitliche Widerstände. Wir haben einige Bankbeamte, die vollkommen überarbeitet sind,, und andere kommen ebenfalls todmüde aus dem Geschäft zu unseren Veranstaltungen, die sie oft bis tief in die Nacht beanspruchen. Das eine steht heute jedenfalls fest: Die Zahl der Niehtakademiker, die für das K.J.V. in Betracht kommt, ist derartig klein, daß bis auf weiteres sich der Nachwuchs wird aus Akademikern rekrutieren müssen. Die Hauptsache dabei ist, daß jeder junge Jude die Mög li chkeit hat, bei uns mitzuarbeiten. Es wird immer wieder die Anregung gemacht, jüdische Ruderyereine zu gründen, die sich etwa mit dem jüdischen Turnerschaftsprogramm begnügen sollen, wobei dafihv geltend gemacht wird, daß wir „so", wie wir jetzt sind, die anderen Juden doch nicht „bekommen". Man denkt da an eine ganze Reihe von Ruder vereinen in Berlin und auch in der Provinz, deren Mitglieder bis auf einzelne nichtjüdische „Phüpsemiten" Juden sind. Die Vereine sind groß, finanziell recht kräftig und spielen eine gewisse Rolle in der jüdischen Gesellschaft. Die radikale zionistische Tendenz bei uns stoße die Leute nur vor . den Kopf, worunter eine beträchtliche Zahl von „National-Juden" seien. Sind wir in der Lage, Ruder vereine zu gründen, die ihre jüdische Tendenz schon etwa darin zeigen, daß sie keine Nichtjuden aufnehmen, die aber „sonst" sich mit einem „zurückhaltenden" nationalen Programm begnügen, so würden wir den größten Teil jener Juden bekommen, und „eine empfindliche zionistische Lücke" ausfüllen. Man kann gar nicht genug gegen derartige Bestrebungen Front machen und betonen, daß diese „Gebilde" mit Zionismus dann nichts mehr zu tun haben. Der größte Fehler, den man im »Zionismus (unci in' jeder Jugendbewegung) machen kann, ist, von vornherein program? matiseh die Tendenz einzudämmen. Was ist das für eine Gemeinschaft und welchen Wert hat eine solche für uns, in deren Programm hohe und ideelle Ziele angedeutet werden, deren Mitglieder aber sich gemeinschaftlich einigen, das Streben nach diesen Zielen mit nicht zu „übertreiben'4. Es ist vollkommen unverständlich, wie in unseren Reihen derartige Dinge dauernd vorgeschlagen werden, welche jenen Assimilanten entgegenkommen, die sich tolerant zu äußern pflegen: „Wissen Sie, im allgemeinen sind die Zionisten gar nicht so schlimm, es gibt aber so viel Meschuggene unter ihnen," wobei sie stets die Zionisten meinen, die in Wirklichkeit die Träger der Idee sind. Nein, jeder entbehrliche Bundesbruder muß auf unabsehbare Zeit zum Ausbau unserer Jugendbewegung herangezogen werden. Nur dort, *) Aus „Formen im Kartell" von Bertram Fisher und Friedrich Simon J. St. November- D,e2emb.er 1921: „Es ist gewiß erfreulich, wenn ein sportlich veranlagter Bbr. seine Leistungen dnrGh pifriges Training steigert, ersprießlieherp Arbeit wird geleistet, wenn es durch müher volle Kleinarbeit und zielbewußte Systematik gelingt, aus eijiem „krummen" Fux einen Menschen zu machen, der mit Freude Leibesübungen treibt."

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