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Der jüdische Student · 1922-03-01 · Heft 2 (März 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 2 (März 1922)
Date
1922-03-01
Page
[Seite] (sequence 31)
Language
German
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Zur „Sprengung des akademischen Rahmens". n Reihen aufzunehmen. „Die Ivria, deren Betrieb viel zu wünschen übrig lasse, wünsche eine Fusion mit dem R. VjiJ.St. Bei der Ivria werden viele ältere Ceute die Fusion nicht mitmachen. Alle lauen Elemente müßten ausgeschieden werden, um die Zusammenarbeit fruchtbar zu gestalten" *). Wenn heute Sehwabe schreibt: „Man kann das Resultat am besten mit dem bekannten Witzwort kennzeichnen: „Die Operation ist gelungen, aber der Patient ist tot", so lag das eben daran, daß sein Patient so krank war, daß er beim besten Willen nicht zu heilen war. In der Zusammenarbeit zeigte es sich in erschreckender Weise, daß es fast durchweg „laue Elemente" waren und daß es höchste Zeit war, sie auszuscheiden *). Der R. V. J. St. lehnte stets strikt eine Fusion ab. Er wollte nur die ihm brauchbar erscheinenden Mitglieder der allmählich sichganz auflösenden „Ivria" einzeln ins K.J.V. aufnehmen. Kein Wunder, daß die „Ivria" sich dagegen mit Händen und Füßen wehrte, und als sie merkte, daß wir nicht nachgaben, verlas sie auf dem Konvent des R.V.J.St. vom 9. November 1920 folgende Resolution: „Die „Ivria" lehnt mit 2 Stimmenthaltung die Aufnahme ins K.J.V. ab." Die „Ivria" ist auch nie ins K.J.V. aufgenommen worden. Nachdem der K.T. in Leipzig im Dezember 1920 die Berechtigung zur Aufnahme von Nichtakademikern den K. J. V.-Korporationen erteilt hatte, wurde eine Liste von 14 Mitgliedern aus der ehemaligen „Ivria" zur Aufnahme vorgeschlagen. Mit dem Eintritt dieser Leute ins K.J.¥. löste sich offiziell der Jüdische Ruderklub „Ivria" auf. Schwabe bedauert das mit lauten Klagen im letzten J. St. Warum? — Wäre es vielleicht doch ^möglich gewesen, die ausgeschiedenen Ivrianer zionistisch zu erfassen!? „Sie stellen einen Teil derjenigen Leute dar, die berufen sind, finanziell am Volksaufbau mitzuwirken", so wird immer wieder bei derartigen Anlässen ausgerufen. Ich hatte gerade Gelegenheit, in meiner Keren Hajessod-Tätigkeit einen ehemaligen Ivrianer aufzusuchen, dem man besonders viel Tränen nachgeweint hatte. Obwohl damals Börsenhausse war, und er an der Börse „gut lag", hatte ich nicht das Glück, trotz mehrmaligen Besuches auch nur einen Pfennig auf das Konto seines ihn absolut nicht interessierendem Volkes zu buchen. Ja, aber der Sport! „Der jetzt bestehende fusionierte Verein steht rudertechnisch auf einem überaus schlechten Niveau; die Erziehungstendenz ergibt sich aus dem im *LSt. geschriebenen Artikel von Bertram Fisher und Friedrich Simon (,Formen im Kartell')." So etwas dürfte ein Bundesbruder, der in Hamburg sitzt, ^nicht schreiben, wenn er sich nicht an Ort un<£ Stelle davon überzeugt hat. Etwas mehr Verantwortung, auch solchen Dingen gegenüber, kann man m. E. von jedem Bundesbruder fordern. (Späterhin stellen sich immer obskure Gewährsmänner heraus, die nie davon etwas verstehen.) Die vielen jungen Bundesbrüder, die im Sommer 1921 neu aufgenommen wurden, mußten erst gründlichst in den Anfangsgründen des Ruderns ausgebildet werden, wozu die alten Ruderer scharf herangezogen wurden. Der Ruderwart hielt diese Aufgabe rudertechnisch zunächst für die wichtigste. Jetzt im Winter wird regelmäßig eifrig die Ausbildung im „Kasten" weiter entwickelt, so daß wir im Sommer sogar recht erfreuliche Aussichten auf „gute Boote" haben **). •) Protokoll des Convents vom R. Y. J. St. vom 28.1. 20 (Rede von Bbr. Schwabe). **) Die Frage, ob wir Regatten im Deutschen Jugendruderverband bestreiten, hängt von der jeweiligen Anzahl von Bundesbrüdern unter 19 Jahren ab. Interessant ist die Stellung der ehemaligen Ivria zum Deutschen Ruderverband. Diese stellte eine Beteiligung der Ivria an den Regatten in Aussicht, falls der Jüdische Ruderklub Ivria das Wort „Jüdisch1* bei den Nennungen wegließ. Als der R. Y. J. St. auf dem Konvent vom 2.6.20 das mit Entrüstung von sich wies und darauf verzichtete, mit den Antisemiten in einen Wertkampf zu treten» erklarte die enttäuschte „Ivria": „Das wollen Sportsleate sein!"

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