Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 2 (März 1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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78 Zurx,,Sprengung des akademischen Rahmens". sich uns einfügten. Der K.T. sah ein, daß mit der Erfüllung unserer Forderungen in keiner Weise sich in den Verbindungen das Leben ändern sollte, und genehmigte unseren Antrag. Welche Erfahrungen haben wir nun mit den Nichtakademikern bei der „Fusion" des R. V.J. St. mit dei* „Ivria" gemacht? Interessant ist da zunächst die Darstellung der „Fusion" durch Bundesbruder Schwabe: Der grausame R. V.J. St. hat dort „den wertvollsten Repräsentanten der jüdischen sportlichen Erziehung in Deutschland das Leben einbüßen lassen, so daß mindestens 30 im Erwerbsleben stehende Kaufleute dem jüdischen Gemeinschaftsleben entzogen worden sind." Wie sah denn nun wirklich der Jüdische Ruderklub „Ivria" aus, in dem (und das ist doch das wichtigste) „in jüdischer Beziehung sich eine Radikalisierung im zionistischen Sinne durchgesetzt hatte". Was dachten und taten die Mitglieder dieses Vereins, „der durch rücksichtslose Auslese in die Höhe gebracht worden war, und dessen im Kriege gegründete Jugendabteilung einen so über Erwarten großen Erfolg darstellt?" Bundesbruder Schwabe bemerkt schon ganz richtig, daß die „Ivria" mehr den Akzent auf die sportliche als auf die jüdische Seite gelegt habe. Es fiel uns schwer, als wir vor Jahren die Mitglieder näher kennen lernten, festzustellen, was da im Vereinsleben unter „jüdischer Seite" verstanden wurde. Abgesehen vom Mögen David auf dem Sporthemde (siehe „Jüd. Turnverein „Bar Kochba") konnte man lange nach „Jüdischem" suchen, ohne auch nur Nennenswertes zu entdecken. Fragten wir die Ivrianer, ob sie Zioni^ten seien, so antworteten die einen mit Ausreden, andere wiesen zuweilen solches mit Entrüstung zurück, Dinge, die Bundesbruder Schwabe nicht entgangen sein dürften, der gar „eine Radikalisierung im zionistischen Sinne feststellt". Wir hatten alle den Eindruck, daß vor allem der Sport die Ivrianer als Gemeinschaft zusammenhalte. Es muß offen zugegeben werden, daß die „Ivria" sportlich sehr eifrig war und als Wassersport treibender jüdischer Club ein Novum darstellte. Wie kommt es aber, daß dieser Club sich mit dem Ruder- V. J. St. „fusionierte"? Er mußte es doch viel leichter als wir haben, fortzubestehen, er, der „durch sein rudertechnisqhes Können und die Disziplin den Respekt der „antisemitischen Ruderklubs erzwungen hatte". Wenn man auch „rücksichtslose Auslese" trieb, so mußten sich doch genügend neue Leute in Berlin finden lassen, die den Nachwuchs hätten bilden können. Waren die Männer vom Ivria-Typ („jener vornehme Kaufmann, der es versteht, in Gesellschaft aufzutreten'*) nicht mehr fähig, selbständig das Vereinsleben weiterzuführen? Ich will nicht bestreiten, daß sich in den Reihen der „Ivria" Zionisten befanden; diese waren aber 1914 bei der dem K. J. V. nicht ganz unbekannten Fusion als frühere K. Z. V. er in den R. V. J. St. eingetreten, wo es nun nach dem Kriege daraufankam, junge Leute zu bekommen, da die hoffnungsvolle junge Mannschaft zum größten Teil im Kriege gefallen war. Der „Ivria" gingen nun diese Bundesbrüder aus dem alten K. Z.V. verloren, gleichzeitig traten die jungen Ivrianer nach dem Abitur in das K. J. V. Wenn Schwabe sagt, daß das „selbstverständlich geschah", so kann er nur meinen, daß sie es aus einem starken Bedürfnis heraus taten. Nicht die Tatsache, „daß diese früheren jungen Mitglieder an ihrem Stammverein außerordentlich hingen, brachte den Gedanken einer Fusion in Fluß", sondern der Umstand, daß die „Ivria" 1918 sich vollkommen ohne jeglichen fähigen Nachwuchs befand, der sie schließlich zwang, Bankerott anzumelden. Während ich das hier schreibe, liegen die Protokolle der damaligen Verhandlung mir vor. Aus diesen geht hervor, daß Schwabe auf unserm Konvent erschien und uns beschwor, die Reste der „Ivria" in unsere