Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 2 (März 1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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* Zur „Sprengung des akademischen Rahmens1'. IT Vielleicht besteht dann auf dem Kartelltag die Möglichkeit, einer organisatorischen Lösung dieses Problems näherzutreten. Lassen wir uns auch hierin nicht einschüchtern, von unseren „Chochems", die dasägen werden, daß wir zum Dilettantismus erzögen. Vergessen wir nicht, daß wir weder die Schauspielschule des Deutschen Theaters oder die Jügendabteilung des Philharmonischen Orchesters sein wollen, sondern das Kartell Jüdischer Verbindungen. Zur „Sprengung des akademischen Rahmens". Von Bertram Fisher- Berlin (Ruder V. J. St. „Ivria" J. a. B.) Der Artikel ist als Entgegnung gedacht gegen den im letzten J. St.; erschienenen Artikel von Fritz Schwabe „Sprengung des akademischen Rahmens?" Bundesbruder Schwabe schreibt dort eine Fülle von Unklar-, heiten und stellt bisweilen die Tatsachen derartig auf den Kopf, daß ick mich veranlaßt fühle, mit einer großen Reihe von Irrtümern aufzu>- räumen. Wenn im K.J. V. die Rede vom „akademischen Rahmen" ist*), so. verbinden wir damit ganz bestimmte Vorstellungen. Kein Bundesbruder denkt da an „geistigen Dünkel eines Teiles der Akademiker und an die, trostlose völlig unjüdisch geistige Armut eines großen Teiles unserer Kaufleute; daß dieser Akademiker in den Kreis der Kaufleute mit großen Prätentionen komme und sich dort der geistigen Distanz wohl bewußt sei." Ich glaube kaum, daß es heute — im Zeichen der Berufsumschichtung -— noch Bundesbrüder gibt, die an das Märchen glauben, „die Akademiker träten als Unteroffiziere und nicht als Gemeine in den Kreis der Kaufleute". Nein, wir, die für „Sprengung des akademischen Rahmens" auf dem letzten Kartelltag gekämpft haben, verstanden unsere Gegner sehr wohl, und wußten genau, von welchen Gesichtspunkten aus sie die Dinge sahen. Wir alle wissen, daß der größte Teil des Arbeitsr planes im K. J. V. und das System der Kurse, Veranstaltungen, Zusammenkünfte etc. etc. zeitlich auf der Tatsache aufgebaut sind, daß einem Studenten in Deutschland im größten Teil der Semester erstaunlich viel freie Zeit zur Verfügung steht, und daß er verschiedene Üniversitätsstädte aufzusuchen pflegt. Das heißt mit anderen Worten; Diesem „akademischen" Rahmen verdanken wir es, daß es der studentischen jüdischen Jugend in Deutschland stets möglich ist, sich in solchem Maße der politischen Aufbauarbeit unseres Volkes zu widmen. Daher kommt es, daß man derartige Arbeitsforderungen stellt und derartige zionistische „Opfer" von unseren Leuten verlangt. Die Akademiker sahen diesen Rahmen gefährdet und wehrten sich mit Recht gegen seine' „Sprengung". Nahm man Nichtstudenten auf, so folgerten sie ganz richtig, würde man beispielsweise auf die neuen Bundesbrüder bei Ansetzung von Veranstaltungen zunächst zeitlich Rücksicht nehmen müssen. Mußte sich nicht hieraus eine Einschränkung unseres Arbeitsprogramms entwickeln! Nun, diesen Rahmen wollten wir nie sprengen und wollen es auch heute nicht. Was wir anläßlich der „Ivria"-Angelegenheit auf dem Kärtelltag in Leipzig vertreten haben, war folgendes: Wir wollten fortan jungen Leuten, die Nichtakademiker und menschlich für uns aussichtsreich sind, die Möglichkeit geben, bei uns Bundesbrüder zu werden; selbstverständlich nur unter der Voraussetzung, daß sie auch zeitlich *) Ich erinnere an einen Teil der Artikel vor dem Leipziger Kärtelltag im J. St. tm£ an die diesbezüglichen Debatten auf der Tagung selbst.