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Der jüdische Student · 1922-03-01 · Heft 2 (März 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 2 (März 1922)
Date
1922-03-01
Page
[Seite] (sequence 28)
Language
German
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76 Formen im Kartell II. \ ein; der Erfolg war: ein Tohuwabohu. Die letzten großen Berliner K.J. V.-Veranstaltungen (Semesterantrittsfest und . Weizmanrifeier) zeigten das deutlich. Da es unseren Bundesbrüdern bekannt war, daß Blumenfeld in Tendenz recht beschlagen ist, und andere wieder gute Bierreden zu halten verständen, so glaubten sie sich jeder Sorge um das Gelingen des Festes enthoben und verfielen in schülerhaften Lärm. Unsere alten Farben- und Bundeslieder waren vielleicht nicht schön, aber man ,konnte sie wenigstens und sang sie: das Von über 300 Bundesbrudern intonierte — angeblich hebräische — Gewinsel war viel schlimmer. Also zurück zum Kneipkomment? Nein] Es ist natürlich viel schwieriger, hierneue Wege zu finden, als auf dem Gebiete der Leibesübungen: man. kann zwar in jeder Durchschnittsverbihdung die Sonnt agswanderüng,. als offizielle Veranstaltung durchführen, die Stellung, die aber z. B. Singen, Musizieren u. a. m. innerhalb des Korporatiorislebens einnimmt, hängt von t der jeweiligen Zusammensetzung des buridesbrüderlicÜen Kreises ab. Wir müssen also beim einfachsten und allgemeinsten: anfangen, und versuchen, Dinge bei uns heimisch zu machen, die die geringsten Anforderungen an die größtmöglichste Zahl von Bundesbrüdern stellen. Die Rolle, die dem Spiel innerhalb der Gymnastik zufällt, dürfte wohl hier das Singen inne haben, und es-gilt ebenso, was vom Sport gesagt wurde, daß sich mit der Freude an der Sache überhaupt auch die Freude an der gesteigerten Leistung einstellt. Jeder, der nur ein wenig singen kann, weiß, wie schön der Besitz eines großen Liederschatzes ist und: wie sehr jede Veranstaltung, gleichgültig, ob sie im Freien oder im Räume stattfindet, durch Gesang belebt wird. Hier können wir übrigens wieder einmal etwas von den goiischen Korporationen lernen, und die dort zum Burschenexamen verlangte Kenntnis von 30 Liedertexten wäre nicht die übelste Forderung für unser Kartell. Man wird im Anfang nicht vermeiden können, auch hier, wo es stört", etwas rigoros und schematisch vorzugehen, und zu offiziellen Liederabenden greifen, auf denen man sich 3 bis 4 Lieder vornimmt und sie paukt*). Eine zweite, allerdings schon etwas schwierigere Möglichkeit, unsere Veranstaltungen zu beleben, bietet die Zusammenstellung eines kleinen Orchesters. In jeder Korporation gibt es sicher mehrere Bundesbrüder, die irgend ein Instrument spielen. Das Klavier ist ja leider sehr verbreitet und in unseren Reihen als Bierkapelle genügend gewürdigt;" Streichinstrumente und vor allen Dingen die verhältnismäßig leicht zu spielende und bequem transportable Klampfe hat man ungerechter Weise bisher vernachlässigt. Man soll also damit beginnen, erst eine Begleite musik zu den Liederabenden zu schaffen, die sich ja dann, wenn genügend Kräfte vorhanden sind, selbständig machen und der Wiedergabe von Kammermusik und kleineren Orchesterwerken zuwenden kann. Eine andere Möglichkeit, Begabungen, die außerhalb des Kartells liegen, zu erwerben, bietet die, Aufführung von Theaterstücken. Wir finden ja gerade unter uns Juden eine große Anzahl von schauspielerischen Talenten, die man bei uns nur in Kabaretts und Operetten verwertet hat. Warum gehen wir auch hierin nicht etwas . in die Tiefe und versuchen, ernsthafte Kunst bei uns heimisch zu machen? Es .sei noch einmal betont, daß hier mit Anregungen gegeben werden konnten, da bis jetzt praktische Erfahrungen nur in geringstem Maße vorhegen; doch wird es wohl in jeder Korporation ein öder mehrere Bundesbrüder geben, die Interesse für diese Dinge und ihre Wichtigkeit haben. An sie geht die Aufforderung, die von mir angeschnittene Frage erst einmal im J. St zu diskutieren, und eventuell schon» praktische Erfahrungen mitzuteilen. •*) Mehreren über Ausgestaltung solcher Abende und über.;die AuswaM der von uns gesutigeneh Lieder Muß einem Spezialär'M -

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