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Der jüdische Student · 1922-03-01 · Heft 2 (März 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 2 (März 1922)
Date
1922-03-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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Politik im Kartell? 1B es um Wirklichkeiten geht, und doch vermögen sie eine stark lebendige Beziehung mit dem zu geben, was in Palästina ausgefochten wird und ausgefoehten werden muß. Warum soll und darf es im K. J. V. keine Politik geben? Sollen wir besonders geeignet sein, für kontemplatives Siehbescheiden, für akademische Ruhe, wenn alles endlich in Bewegung kommt? Warum keine Entschließung im Jabotinskyfalle? Warum keine Konvente mit politischen Kämpfen, auf denen die einen die andern zu überzeugen suchen? Wäre dieserneue Zug — und wäre es bloß ein Luftzug^ — so zu bedauern? Eine politische Orientierung bedeutet noch etwas zweites; sie zwingt uns zur Beschäftigung mit der Politik des Gastvolkes und damit der Weltpolitik. Eine jede moderne Politik, sei sie in noch so kleinem Rahmen, sie kann aber einen Teil bildep jener großen Kämpfe, die in jedem Lande, in jedem Volke in mehr oder minder verhüllter Form zum Austrag kommen. Das ist die Wirkung der Nivellierungstendenz der Wirtschaft des 19. und 20, Jahrhunderts. Auch für Palästina wird' das gelten. Wir werden gezwungen, auf diese Fragen einzugehen und, was das Schlimme oder vielmehr 6ute ist: Hier werden wir uns praktisch entscheiden müssen bei Wahlen, bei tagespolitischen Ereignissen etc. Abstinenz, so raten manche an; nichts falscher, nichts unmöglicher als das! Erstens gibt es auch in der Diaspora jüdische, zionistische Interessen, die bestimmte Parteien zu hindern suchen, andere fördern; zweitens kann, man sogar der Ansicht sein, daß der Juden unten den Völkern ganz besondere Aufgaben harren, auch in politischer Hinsicht, und drittens, das ist der praktisch ausschlaggebende Grund, wird es wenig Menschen unter uns geben, die an den Ereignissen der unmittelbaren Umwelt, in der zu leben sie doch — wenn man so will — verurteilt sind, so wenig Interesse nehmen, daß sie sich jeder Aeußerung enthalten können. Bei uns übrigens ist, was die Tagespolitik anbelangt, ein durchaus aktives Interesse bei einem Teil der Bundesbrüder vorhanden, Dies lehren. die Geschehnisse' der letzten Wochen, die die mittelbare Veranlassung für diese Zeilen und die unten noch darzulegende Stellungnahme meiner Freunde gegeben haben. Von einem Mangel an politischer Erziehung zu reden, bewog mich die — ich fühle mich veranlaßt, zu schreiben — ungeheuerliche Tatsache, daß bei dem letzten Streik eine Reihe von Bundesbrüdern sich in den Dienst einer Organisation, wie der Technischen Nothilfe, stellten. Ich glaube, daß über die Ablehnung dieser Handlungsweise nur eine Meinung besteht, und daß die Ansicht, die von der guten Vorbildung für eine künftige technische Nothilfe in Palästina spricht, völlig vereinzelt ist. Es genügt hier der Hinweis auf die Zusammensetzung z. B. der Bayrischen Nothilfe, „Notbann" dort genannt, unter den Auspizien der Pöhner und Nationalsozialisten, die hoch heute keinen Östjuden nach München lassen. Zum Danke dafür quittierten auch einige ostjüdische Bundesbrüder damit, daß' sie sich der preußischen Schwesterorganisation zur Verfügung stellten, die natürlich dieselben Tendenzen verfolgt*). Ueber die Tatsache aber als solche soll kein weiteres Wort verloren werden. Nur über die Motive und darüber, daß diese Vorkömmnisse überhaupt möglich sind. Ich nehme selbstverständlich an, daß in den allermeisten Fällen die betreffenden Bundesbrüder sich nicht über das klar gewesen sind, was eine solche Organisation in Wirklichkeit ist. Aber das, eben diese Unüberlegtheit, ist ein Mangel, der sich aus dem Fehlen jeder politischen Erziehung ergibt. Es hat bei uns jede Andeutung dahingehend gefehlt, daß auch solche Fragen des allgemeinen politischen Lebens einmal an uns herantreten können und werden; Anm. der Red. Diese für die Beurteilung dieser Sonderfrage entscheidende Tatsache ipt niqht nur unter den beteiligten Bundesfcrftdern, sondern auch unter deutschen Sozialisten streitig.

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