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Der jüdische Student · 1922-03-01 · Heft 2 (März 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 2 (März 1922)
Date
1922-03-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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70 Lo seh haderech! Nun einige praktische Vorschläge. Eine gute zionistische Ausbildung erfordert in erster Linie Zeit. Sie ist nicht in ein oder zwei Semestern zu erreichen, sondern die ganze Aktivenzeit muß ihr dienen. Demgemäß muß die heutige Form der zionistischen- Sehnellkurse alias Fuxenstunden und der Burschenreferate fortfallen. An ihre Stelle muß eine gleichmäßig fortschreitende Ausbildung in Tendenz, Geschichte, Palästinakunde, Hebräisch, jüdischer Volks- und Literaturkunde treten, die wegen des größeren, ihr zur Verfügung stehenden Zeitraumes auch auf Einzelheiten wird eingehen können. Man wird dann vielleicht nicht über Achad-Häam und Birnbaum lesen und sprechen, sondern mehr ihre Schriften selbst lesen: man wird öfter Vergleiche ziehen, z. B. zwischen der Geschichtsschreibung eines Grätz und der eines Dubnow u. a. m. Denn es kommt nicht so sehr darauf an, d a ß sie sich mit bestimmten Fragen auseinandergesetzt haben, als wie sie es taten. Im Hebräischen, um noch etwas, was mir besonders am Herzen liegt, zu nennen, muß neben der gründlichen Kenntnis der Grammatik auch Kenntnis in Tenach, Mischnah und Gemarah sowie der wichtigsten jüdischen Gebete und Riten verr langt werden. Denn wie sollen wir z. B. einen Burschenkurs über Entnationalisierung des jüdischen Gebetes halten, wenn die Bundesbrüder nicht über jüdische Gebete Bescheid wissen? Was nützen uns die Freitag-Abende, wenn die Bundesbrüder sie nicht jüdisch gestalten können? Man überschätze nicht die Schwierigkeiten, die sich der Durchführung der letzten Forderung anscheinend entgegenstellen! Wer lernen will, findet überall Gelegenheit dazu. — Natürlich wird bei einer so gestalteten Arbeit das Burschenexamen in seiner heutigen Gestalt als Hauptexamen der Verbindung nicht bestehen bleiben können. Es wird höchstens wie das frühere Fuxenexamen Kontroll- und Ausscheidungsexamen bleiben. Eine um so größere Bedeutung werden wir aber dem Inaktivenexamen beilegen müssen. Dies soll das eigentliche Abschlußexamen der gesamten Verbindungsarbeit werden. Dementsprechend würden auch die Ansprüche dabei recht hohe sein. Was die Form der Arbeit angeht, so habe ich zu geringe Erfahrung über die Nützlichkeit und Ausführbarkeit der einzelnen Systeme, als daß ich allgemeingültige Anweisungen geben könnte. Ich persönlich neige zu dem Vorschlage der Gruppenarbeit, wie ihn Fritz Löwenstein für den Geschichtsunterricht auf der Erstchargiertentagung vortrug. In den Arbeitsgruppen könnte man sich über die Fortschritte durch Referate und kleine Prüfungen Klarheit verschaffen. Ein ganzes Netz von Arbeitsgruppen soll die Verbindung umspannen, jeder Bundesbruder soll merken, daß wie bei jeder jüdischen Sache auch beim Zionismus zuerst das. wechinantam, das Einschärfen, das intensive Arbeiten, dann nach einem langen Abschnitt das wilimaditam und erst dann zuletzt das limaan jirbu jimechem wijime bnechem al haadamah kommt. Natürlich soll mit meinen Vorschlägen nichts gegen gesellige Veranstaltungen und gegen Sport gesagt sein. Sie werden den ihnen gebührenden Platz im Verbindungsleben einnehmen müssen. Es widerspräche auch ganz meiner Stellung zu diesen Dingen, wollte ich . hier den Fanatikern unserer „Intensivierungszeit" folgen. Selbstverständlich muß aber bei allen Veranstaltungen aus Gründen der Disziplin streng auf Pünktlichkeit gesehen werden. Jedoch ich glaube, die Disziplin des Zwanges und der Angst wird sich bald in eine Selbstdisziplin des freien Willens verwandeln. Dies wären meine Vorschläge. Die Folgen ihrer Durchführung sind wohl Idar. Der einzelne Bundesbruder würde wirklich etwas wertvolles in der Verbinr dung erhalten, was er außerhalb ihrer kaum in dem Maße haben könnte. Es würde dann auch K. J. V. er nicht mehr einen Mensehen bezeichnen, der von jüdischen Dingen nicht viel versteht, desto mehr aber darüber

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