Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 2 (März 1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Lo seh haderech! W vom Binjan-Haarez an bis zum Niehtzionisten, der zwar nicht Keren- Hajessod zeichnet, aber unseren Bestrebungen wohlwollend gegenübersteht Und gegen diese, gegen die Assimilanten in unseren Reihen, gilt es heute zu kämpfen. Aber hat sich mit dem Wachsen der Aufgabe, der Wandlung des Gegners auch unsere Ausbildung geändert? Ist sie besser, intensiver geworden? Nein! Wie war es früher? In den ersten zwei Semestern wurde man in mehr oder minder guten Kursen in die Grundzüge des Zionismus und der jüdischen Geschichte eingeführt, lernte etwas Palästinakunde und Comment. Dann machte man Burschenexamen und war dann vollgültiger Bundesbruder, vielleicht auch vollgültiger Zionist. Denn die spätere zionistische und jüdische Ausbildung war doch wohl kaum von irgendeinem besonderen Wert. Aber die genügte auch für jene Zeit. Wie ist es heute? Genau so! Gar keine Änderung, keine der neuen Lage angemessene Entwicklung! Seht Euch doch die Protokolle alter Burschenexamina an! Findet Ihr dort andere Fragen, andere Antworten? Ich glaube kaum. Aber Hebräisch! Das hebräische Inaktivenexamen! wird man mir vielleicht zurufen. Nebbich die hebräische Ausbildung im Kartell! Erstens hat man früher auch hebräisch gelernt, zweitens, wieviele Bundesbrüder lernen wirklich, d. h. lischmah Hebräisch? Wieviele haben schon das Inaktivenexamen gemacht? Und wenn sie es schon bestanden haben, was ist daran so Großes, so besonders Wertvolles? Was wird denn da verlangt? Grundzüge der Grammatik, Übersetzen einer leichten Bibel - stelle, Fähigkeit, einer hebräischen Unterhaltung zu folgen. Alles Dinge, die ein mäßig begabter Bundesbruder bei intensiver Arbeit innerhalb eines Jahres erreichen kann. (N.B. Glaubt Ihr wirklich, daß ein Inaktiver einer Unterhaltung zweier guter Hebraisten folgen kann? Was haben wir auf dem Kongreß gesehen?) Und das alles als Abschluß (!) einer mehrjährigen K. J. V. er-Zeit. Es ist ja fast zu wenig, als daß kurze - Zeit darauf noch etwas vorhanden sein könnte! Das ist die jetzige Ausbildung im Kartell! Ja, hält man dies auch jetzt für genügend, glaubt man damit dem zu entsprechen, was unser Volk von uns fordert? Heute fordert man von uns Männer, die zionistisch arbeiten können, wir erziehen Leute, die sich vielleicht über Zionismus unterhalten können; man fordert ausgebildete Zionisten, wir erziehen Dilettanten; man fordert Akademiker des Zionismus, wir erziehen vielleicht zionistische Akademiker. Das darf nicht so bleiben, hier ist Umkehr notwendig, sollen wir nicht unsere Existenzberechtigung verlieren. Und noch eins wollen wir nicht vergessen! Die früheren Verbindungen, waren m. E. deshalb so gut, weil sie ihr Leben nach ihrem, Programm einrichteten, weil jeder spürte, was er sollte und wohin sein Weg führte. Was war z. B,. das Fechten anderes, als die täglich erneute Sichtbarmachung der Forderung: eintreten! sich wehren! sich bewähren! Heute ist dem nicht mehr so; das Programm steht bei uns auf dem Papier, ohne auf unser Leben einzuwirken. Und darum sind unsere Verbindungen so wertlos, so uninteressant, so tot. Aus diesen zwei Gründen, einem äußeren und einem inneren, sei meine Forderung: Ziel unserer Sehnsucht sei Erez Israel, denn Ziel unserer Arbeit kann es leider noch nicht sein. Wem es möglich ist, der wird auch hingehen! Ziel unserer Arbeit sei: Schaffung des wirklichen Zionisten, des Menschen, der Palästinaarbeit im Galuth leisten kann! Und dazu sind unsere Besten nötig. Unser Weg sei: intensive Ausbildung in allen zionistischen und jüdischen Fragen. 4